23. Nov 2013 | Mexiko | Menschenrechte | Soziales | Wirtschaft

Kriminalität belastet Wirtschaft in Mexiko

Folgen der Gewalt beanspruchen bis zu 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Debatte über Frauenmorde auf WHO-Konferenz

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Mexiko-Stadt. Die Gewalt durch kriminelle Gruppen in Mexiko kostet das Land nach Regierungsangaben zwischen acht und 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Diese hohen Kosten setzten sich zusammen aus Sachschäden, Produktivitätsverlust, zunehmenden Aufwendungen für die Gesundheitsversorgung, der Rehabilitierung von Behinderten, Sicherheitsservices und dem Rückgang von Investitionen, sagte Gesundheitsministerin Mercedes Juan López. Die Politikerin sprach zum Thema auf einem internationalen Treffen zur Gewaltprävention in Mexiko-Stadt. An der Konferenz der Weltgesundheitsorganisation beteiligten sich Vertreter aus über 50 Staaten.

Bei den verschiedenen Formen von Gewalt in Mexiko stehen die sogenannten Femizide – der gezielte Mord an Frauen – im nationalen Vergleich der Straftaten auf dem zehnten Platz, sagte die Gesundheitsministerin. Zugleich verwies die Politikerin der Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto darauf, dass diese Verbrechen vor dem Jahr 2012 noch den sechsten Platz eingenommen hatten.

Dem trat Ana Güezmes, die Vertreterin der UNO für Frauenrechte in Mexiko, entgegen. Die UNO-Vertreterin hatte noch im Juni dieses Jahres eine "Pandemie" der Morde an Frauen in Mexiko beklagt. Güezmes berief sich dabei auf eine Studie der Vereinten Nationen von 2010, nach der im statistisch betrachtet pro Tag 6,4 Frauen getötet werden. Die Gewalttaten konzentrierten sich auf die fünf Bundesländer Chihuahua, Baja California, Sinaloa und  Estado de México. Neben den bis heute nicht aufgeklärten Morden an Frauen in Ciudad Juárez im Bundesstaat Chihuahua werden nun auch in anderen Regionen wie Estado de México, Morelos und Sonora immer mehr Frauen zum Opfer von Verbrechen.

Unlängst erst hatte die Regierung in Sonora die Femenicidios als Delikt im regionalen Strafgesetzbuch kodifizieren lassen. Nun kann Gewalt mit Todesfolge gegen Frauen mit bis zu 60 Jahren Freiheitsentzug geahndet werden. Damit erhofft sich die Regierung, die hohe Anzahl der geschlechtsspezifischen Morde senken zu können. Dieses Haftmaß liegt höher als in den bundesstaatlich geregelten Strafen für vorsätzlichen Mord, der in Mexiko-Stadt etwa mit acht bis 20 Jahren Freiheitsentzug geahndet wird.

Laut den Aussagen von Gesundheitsministerin Juan López sind aber nicht nur die Gewalttaten gegen Frauen ein Problem. Auch immer mehr Männer zwischen 14 und 44 Jahre kämen in Mexiko durch  Morde, Freitode, aber auch durch Vergiftungen und Unfälle ums Leben. Laut einer nationalen Erhebung über Gewaltwahrnehmung gab es 2012 in Mexiko 27.337 Opfer von Gewalt pro 100.000 Einwohner. Hinzu kommen eine Viertel Million Vertriebene aufgrund von Gewalt im Land.

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