4. Jul 2010 | Deutschland | Medien

Zwei Geisterfahrer im ND-Feuilleton

Ein NZZ-Autor und ein später "Republikflüchtling" finden sich

DruckversionEinem Freund senden

Würde man die folgenden Zeilen in einer Rezension in der FAZ oder NZZ lesen, würde man seinen Kopf schütteln, sich jedoch nicht weiter wundern. Passen diese Zeilen doch in das ideologische Weltbild der bürgerlichen Presseorgane. Liest man sie jedoch in der "Großen unter den Linken", einer Zeitung, die sich selbst als "sozialistische Tageszeitung" versteht, dann scheint etwas in dieser Redaktion falsch zu laufen.

... Doch er bewundert Lenin. Und er hält Elogen auf Fidel und Che. Unter Galeanos Händen verwandelt sich Diktator Castro in einen Ritter, »der immer auf Seiten der Verlierer kämpfte«. Und Guevara, der Henker von Havanna, erhält gar Züge des Messias: »Je mehr man ihn verfälscht, je mehr man ihn verrät, um so mehr wird er wiedergeboren.« ...

Das Zitat stammt aus einer Rezension über Eduardo Galeanos neustes Werk "Fast eine Weltgeschichte. Spiegelungen." und erschien am Wochenende im Feuilleton der Tageszeitung Neues Deutschland.

Wer ist dieser Uwe Stolzmann? Stolzmann lebt in St. Gallen und arbeitet als freier Journalist, vor allem für NZZ, aber auch für Deutschlandradio Kultur. An der MAZ, der Schweizer Journalistenschule unterrichtet er angehende Journalisten. In Rostock studierte er zwischen 1982 und 1987 Lateinamerika-Wissenschaften und arbeitete anschließend bei der taz.

Erschienen ist die Rezension unter der Ägide des ND-Feuilletionchefs Hans-Dieter Schütt. Schütt, der Chefredakteur des FDJ-Organs Junge Welt von 1984 bis zu seiner Absetzung durch die Redaktionsmitglieder am 21. November 1989 war, arbeitet seit 1992 beim Neuen Deutschland. Seitdem unterlässt Schütt nichts, sich von seiner eigenen Vergangenheit und seinem Tun zu distanzieren. Im Lüdenscheider Gespräch erklärte er unlängst, dass er sich wünsche, eine andere Vergangenheit zu haben. Zum Glück hatte mit dem Ende der DDR seine "Selbstgeiselnahme" ein Ende. Heute wolle er sich politisch nicht mehr äußern, wie es in einem Artikel der WAZ zur Veranstaltung heißt. Und seine Verbindung zu Stolzmann? Im Oktober 2009 sendete Deutschlandradio Kultur eine Rezension Stolzmanns zu Schütts biografischem Essay Glücklich beschädigt.

Da haben sich zwei gefunden, im Feuilleton der "sozialistischen Tageszeitung.

Unter der Überschrift Ein Rezensent befasste sich die linke Schweizer Wochenzeitung WOZ mit den Rezensionen von Stolzmann.

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: Neues Deutschland

21. Jul 2010 | Deutschland | Medien

"Junge Welt": Warnlicht auch verpasst

Über die Notwendigkeit von Quellen- und Selbstkritik der linken Presse

Für große Resonanz sorgte Anfang Juli eine Buchrezension der linken Tageszeitung Neues Deutschland. Ein freier Mitarbeiter, der in der Regel für konservative Blätter wie die Schweizer NZZ schreibt, hatte sich äußerst negativ zu Kuba geäußert. Verständlicherweise hagelte (und hagelt) es Proteste. … weiter >

6. Jul 2010 | Deutschland | Medien

ND und Kuba: Warnlampen übersehen

Stellungnahme der Chefredaktion zum Artikel "Ein Universum – dann leider nur ein Weltbild" (ND vom 3./4.7.)

Zum Galeano-Artikel von Uwe Stolzmann erhielten wir mehrere Anrufe und (...) Leserbriefe (...).

Die Kritik ist berechtigt, sie wurde auch bei unserer redaktionsinternen Zeitungsauswertung geübt: Dieser Artikel hätte so nicht in ND erscheinen dürfen. Er konterkariert mit zwei haltlos flapsigen, bösartigen Attributen die gesamte kritisch-solidarische Auseinandersetzung, um die unsere Zeitung sich bemüht. … weiter >

4. Jul 2010 | Deutschland | Medien

ND jetzt bei Springer?

Wie wird Che Guevara in einer sozialistischen Zeitung zum "Henker von Havanna"?

Sehr geehrte Redaktion,

sehr geehrter Chefredakteur,

gerne habe ich, vor allem am Wochenende, das ND gekauft, nicht zuletzt deshalb weil ich Linkswähler bin. Was ich aber in der letzten Ausgabe von Uwe Stolzmann lesen musste, lässt mich daran zweifeln, dass ich es auch in Zukunft tue.

Hat der Springerverlag mittlerweile das ND übernommen?

Der "Diktator Fidel Castro", "Venezuelas Regent Hugo Chávez", "Che, der Henker von Havanna" usw. usf. Wer hat den diesen Typ von der Rolle gelassen? Das Pentagon? Dreist, dreist, dreist. … weiter >