7. Jul 2010 | Schweiz | Medien

Propagandaopfer des Tages: Schweizer Tagesanzeiger

Schweizer Zeitung läßt kubanischen Regierungsgegner vorsorglich schon einmal sterben

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Als in Kuba Ende Februar der Strafgefangene Orlando Zapata an den Folgen eines mehrwöchigen Hungerstreiks starb, sprach der kubanische Journalist Enrique Ubieta von einem „ekelhaften Schauspiel“. Wer, so fragte Ubieta, habe Zapata zu seiner selbstmörderischen Haltung ermutigt? Wem hat sein Tod genutzt? 

Der Tod Zapatas „erfreut die Trauer Heuchelnden zutiefst“, schrieb der Journalist weiter. Zapata sei für sie schließlich der ideale Kandidat gewesen: ein im Grunde entbehrlicher Mann für Gegner der sozialistischen Regierung und zudem leicht davon zu überzeugen, auf seinen absurden Forderungen zu bestehen: Fernsehen, eine eigene Küche und ein Telefon in der Zelle.

Tatsächlich wurde der Tod des mehrfach verurteilten Straftäters vor allem von politisch rechten Kräften in den USA und Europa genutzt, um die Rhetorik gegen Havanna zu verschärften.

Wiederholt sich dieses Spiele nun? Pünktlich zum Besuch des spanischen Außenministers Miguel Ángel Moratinos verschärfte ein weiterer Regierungsgegner, Guillermo Fariñas, seine Aktion. Wie schon im Fall Zapatas können die Gegner des sozialistischen Kubas seinen Tod offenbar kaum erwarten. Der konservative Schweizer „Tagesanzeiger“ erklärte den 48-jährigen deswegen schon einmal für tot. Fariñas sei „ein Opfer der kubanischen Politik“, heißt es in einer Bildunterschrift in der heutigen Tagesausgabe. Und weiter: „Der verstorbene Dissident Guillermo Fariñas protestierte mit einem Hungerstreik gegen die Inhaftierung kranker Oppositioneller.“

Tatsächlich gibt es hier nur ein Opfer, und zwar politischer Propaganda: den „Tagesanzeiger“.

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