8. Jul 2010 | Venezuela | Medien

Propagandshow in der FR

Leserbrief zu "Medien in Venezuela - Drei Fragen an den Präsidenten" (Frankfurt Rundschau, 05.07.2010)

Nachdem in den internationalen Medien von Mexiko berichtet wird, es sei das gefährlichste Land für Journalisten, da in diesem Jahr schon über 40 ermordet wurden, oder von Honduras, wo die von der Friedrich-Naumann-Stiftung organisierte Wahldiktatur noch jede Woche Oppositionelle und Journalisten ermorden lässt, konzentriert sich die FR lieber auf Venezuela und lässt dazu einen ahnungslosen Schüler schreiben. Dabei sind seltsame, zweifelhafte und gelogene Behauptungen zu lesen.

"Und einem Sender kann die Verlängerung der terrestrischen Lizenz verweigert werden. So erging es 2007 RCTV, der nach seiner Unterstützung des Putsches kritisch blieb. Inzwischen ist er nicht mehr im Kabelnetz."

Ist es verwerflich einem Sender die Lizenz nicht zu verlängern, weil er einen Putsch gegen die Regierung mitorganisiert hat? Plädiert der Autor dafür es gehöre zur Pressefreiheit putsche gegen amtierende Regierungen zu organisieren?

Der Autor schreibt:

"2009 gab es laut der venezolanischen Organisation Espacio Público insgesamt 246 Fälle, in denen die Pressefreiheit verletzt wurde, darunter körperliche Angriffe auf Journalisten. 34 regierungskritischen Radiostationen wurde die Lizenz entzogen oder nicht verlängert."

Espacio Público wurde von der Konrad-Adenauer-Stiftung gegründet und wird vollständig von ihr finanziert, wie auch auf der Webseite zu lesen ist. Das wäre vielleicht eine notwendige Information gewesen.

Und weswegen wurde den 34 Radiostationen die Lizenz entzogen oder nicht verlängert? Die Antwort, die der Autor nicht mitliefert, ist interessant: Sie hatten die Steuern nicht bezahlt oder einen abgelaufenen juristischen Status. Zur Aktualisierung wurden alle aufgefordert und bekamen sogar noch sechs Monate Verlängerung. Danach wurde die Lizenz entzogen bzw. nicht verlängert. Hunderte anderer Sender, auch zum Großteil kommerziell/oppositionell, schafften es ihren juristischen Status auf dem neusten Stand zu halten und senden weiter. Besteht Pressefreiheit darin Steuern zu hinterziehen?

Auch der stets ominöse Sprachgebrauch des Autors ist typischer Schmierenjournalismus. Da sind es irgendwelche Journalisten, die sich
beklagen "dass die Ausübung ihrer Arbeit immer schwieriger wird". So so, welche Journalisten sind das denn? Und was wird immer schwerer? Dazu gibt es keine Antwort. Dafür aber weitere Propagandamärchen: "Früher, so erzählen ältere Kollegen, konnten Journalisten im Präsidentenpalast frei bewegen", ja, wenn sie auf der Linie der Regierung waren. Ansonsten wurden sie auch ermordet oder Zeitungen wurden direkt von der Regierung zensiert und erschienen mit weißen Flächen.

Unabhängige Medien oder Basismedien, nicht-kommerzielle Radios oder TV-Anstalten konnten gar nicht arbeiten.

"Privatsender, darunter Venevisión und Televen, achten seit einer Weile peinlich darauf, beiden Seiten dieselbe Sendezeit einzuräumen".

Da hätte ja ein einfacher Blick in die Untersuchungen des "Medien-Observatorium Venezuela" genügt, um festzustellen, dass das gelogen ist.

Es gab mal früher im Journalismus so etwas wie Recherche. Das scheint den Autor nicht zu interessieren. Die Zeitung allerdings auch nicht und
das ist schon peinlich.

 


Anm. d. Red.: Das FR-Bild ist zudem mit "Mitarbeiterinnen des Senders Globo TV" unterschrieben. Dumm nur, dass sie offenbar Globovisión meinen – denn Globo ist ein rechter Sender in Brasilien...

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