29. Mär 2011 | Deutschland | Venezuela | Medien | Politik

Gute Zensur, schlechte Zensur

In Venezuela führt die Verlegung des Sendeplatzes für "Die Simpsons" zu Protest. Bei uns wird sogar die Zensur akzeptiert

DruckversionEinem Freund senden

Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima und dem NATO-Krieg gegen Libyen reißen die Negativmeldungen nicht ab. Statt dem Fernsehpublikum eine kleine Auszeit zu gönnen, greift nun auch noch die Zensur um sich. Angesichts der wiederkehrenden Persiflage auf die Atomwirtschaft in der US-Zeichentrickserie "Die Simpsons" werden TV-Sender in Deutschland, Österreich und der Schweiz mindestens eine Folge zensieren. Darin geht es nach Medienberichten um Kernschmelze und den Strahlentod der Atomphysiker Marie and Pierre Curie. Das Schweizer Fernsehen (SF), der deutsche Privatsender ProSieben und auch der österreichische ORF werden die Folge nicht zeigen.

Müssen wir uns nun Sorgen um die Mediendemokratie im deutschsprachigen Raum machen? Als in Venezuela im Frühjahr 2008 der Sendeplatz für die Comicserie aus Jugendschutzgründen auf einen späteren Zeitpunkt verlegt wurde, war der Aufschrei in der hiesigen Presse laut. Von Zensur war die Rede. Und vom Verbot der Serie durch Staatschef Hugo Chávez. Dabei hatte die Kontrollbehörde CONATEL einen Privatsender lediglich aufgefordert, den Sendeplatz zu ändern.

Anders als 2008 empören sich die Medien im deutschsprachigen Raum jetzt nicht. Klagen über "Zensur" oder "vorauseilenden Gehorsam" der Sender? Fehlanzeige! So dient der Umgang mit der US-Serie als weiteres Beispiel für die Vorurteile im Blick auf den Süden. Hier gibt es gute Zensur, dort schlechte.

Neuen Kommentar schreiben

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: Zensur

15. Mär | International | Kuba | Venezuela | Medien

ROG: Weitgehend freies Internet in Lateinamerika

"Weltkarte der Internetzensur" von Reporter ohne Grenzen

Reporter ohne Grenzen stellt Jahresbericht über "Feinde des Internets" vor. Venezuela nicht weiter "unter Beobachtung". Kritik an Kuba

Paris. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG) hat den Ländern Lateinamerikas ein weitgehend freies Internet bescheinigt. … weiter >

12. Feb 2011 | Mexiko | Medien

Kritische Journalistin in Mexiko gefeuert

Mexiko-Stadt. Der mexikanische Radiosender MVS Noticias hat Carmen Aristegui entlassen. Die renommierte mexikanische Journalistin war eine der wenigen, die in ihrer Radiosendung regelmäßig, ausführlich und kritisch über politische Gefangene, Päderastie in der Kirche, Feminizid, Militarisierung und Angriffe auf Menschenrechtsaktivisten berichtete. … weiter >

23. Jul 2008 | Deutschland | Ecuador | Kolumbien | Medien

Wieder keine Gegeninformationen in der deutschen Le Monde diplomatique

Widersprüche in den Darstellungen bezüglich der Ermordung von FARC-Kommandant Raul Reyes verschwiegen

Seit Monaten sorgt der Konflikt um die Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) weltweit für Schlagzeilen. Seit Anfang März der FARC-Kommandant Raúl Reyes auf ecuadorianischem Boden ermordet wurde, ist es sogar fast zu einem bewaffneten Konflikt gekommen. International wurde das Säbelrasseln von einer Medienkampagne begleitet, die ihresgleichen sucht. Der Grund: In dem Lager des getöteten Reyes sollen angeblich Laptops und Speichermedien gefunden worden seien, die belastendes Material über linke Gruppen und Parteien in aller Welt enthalten. … weiter >