20. Aug 2011 | Chile | Lateinamerika | Medien | Politik

Die Familien der anderen

Der "Spiegel" kritisiert Verwandte in Regierungsposten in Lateinamerika. Warum aber kommt Chile nicht vor?

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Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel und die Internetredaktion Spiegel Online, das wissen Leser dieses Watchblogs, sind dem progressiven Lateinamerika nicht gerade zugetan. Wo Castro oder Chávez zu vermuten sind, sehen die Redaktionen so rot wie ihr Logo leuchtet. Ein Wunder also, dass Südamerika-Korrespondent Jens Glüsing unlängst unter dem Titel "Eine schrecklich nette Familie" den neuen Präsidenten von Peru, Ollanta Humala, verunglimpfte, weil dessen Vater, Isaac, als Begründer der seltsam anmutenden Polit-Strömung des "Ethno-Cacerismus" gilt. Ohnehin, so weiß Glüsing zu berichten, sind die linken Regierungen Lateinamerikas quasi mafiöse Strukturen: In Venezuela nimmt Staatschef Chávez seinen Bruder Adán ins Boot, die Familie Kirchner in Argentinien bekommt ihr Fett weg und, nun ja, an den Brüdern Castro in Kuba wird auch kein gutes Haar gelassen.

Aber wen, liebe Leserinnen und Leser, hat Jens Glüsing vergessen?

Als vor wenigen Tagen 1.270 Schüler und Studierende in Chile von der Polizei zusammengeschlagen und verhaftet wurden, verteidigte dieses international kritisierte Vorgehen wer? Richtig: Andrés Chadwick Piñera, ein Cousin des amtierenden Präsidenten Sebastián Piñera. Der hat, worüber sich selbst rechtsgerichtete Medien dieses südamerikanischen Landes echauffieren, seinen gesamten Clan in offiziellen Posten untergebracht.

Als Präsident Piñeras Vater José Piñera in den 1960er Jahren für die chilenische Rechte in Brüssel Botschafter war, wuchst der kleine Sebastián bei seiner Tante Paulette Piñera und deren acht Kindern auf. Andrés Chadwick ist der Jüngste und heute "Ministro de la Secretaria General del Gobierno", der Älteste, Hermán Chadwick, Mitglied der Rechtspartei UDI, ist Vorsitzender des Nationalen Fernsehrates. Die Liste der jüngsten Generation der Chadwicks und Piñeras in staatlich subventionierten Versorgungsposten ließe sich fortführen.

Zurück zu Jens Glüsing. Der schreibt, Altrevolutionär Fidel Castro vertraue "allein der Familie, wenn es um seine Nachfolge geht: Seit seiner Darmoperation vor fünf Jahren lässt er Bruder Raúl die Regierungsgeschäfte Kubas führen." Raúl Castro ist vor allem aber einer der Köpfe der Revolution gegen die US-gestützte Diktatur von Fulgencio Batista 1959 gewesen. Welches Verdienst aber haben die Kinder und Kindeskinder der Familien Chadwick und Piñera in Chile?

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Kommentare

Schöner Bericht

ein gutes Beispiel für die selektive Wahrnehmung der Mainstream-"Journalisten". Schade nur, dass sie die so weiterreichen...

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