2. Dez 2007 | Deutschland | Venezuela | Medien

Informationsmangel im Wirtschaftswunderland

Seriöse Berichterstattung soll nicht nur polemisieren sondern kritisch hinterfragen

DruckversionEinem Freund senden

Auch wenn Herrn Oehrlein's Situationsbeschreibungen in Milchmangel im Petrodollarwunderland (Josef Oehrlein, faz, 30.11.2007) teilweise und in Grundzügen der Realität entsprechen mögen, sollte seriöse Berichterstattung nicht nur polemisieren sondern kritisch hinterfragen. Um nur einige Beispiele aufzugreifen: Das Verkehrschaos in Caracas geht nicht auf die Chávezregierung zurück, sondern auf die versäumte Stadtplanung und Unterfinanzierung der vorangegangenen Jahrzehnte. Unter Chávez wird das öffentliche Verkehrsystem systematisch erweitert, wie etwa neue U-Bahnlinien (Caracas), Straßenbahnen (z.B. Merida) und ein landesweites Eisenbahnnetz - im kontinentalen Vergleich einzigartig seit dem Anbeginn der neoliberalen Revolution vor 35 Jahren. Im Falle von Lebensmittelknappheit darf man sich an den Winter 2002/03 erinnern, als die Oligarchie durch Aussperrungen Versorgungskrisen provozierte mit dem Ziel die Regierung zu stürzen. Es waren jene korrupten Eliten die Venezuela in den 90er Jahren in den globalisierten Neoliberalismus führten und dabei den nationalen Produktionssektor zur Importwirtschaft umstrukturierten. Die Abhängigkeit von den Petrodollars ist historisch erklärbar und wird versucht zu kontern. Genau deshalb ist die Umstrukturierung, d.h. Sozialisierung der Wirtschaft hin zu einer solidarischen "Volkswirtschaft" notwendig.

(Hier ist der veröffentlichte Leserbrief zu finden)

Neuen Kommentar schreiben

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: Ernährung + FAZ + Josef Oehrlein

25. Feb | Deutschland | Venezuela | Medien

Mit der FAZ ist kein Staat zu machen

Korrespondent Josef Oehrlein sieht in Venezuela vor lauter welkem Gemüse die Veränderungen nicht

FAZ-Korrespondent Josef Oehrlein hält nicht viel von dem Emanzipationsprozess in Venezuela, für ihn produziert die "Bolivarianische Revolution" nur welke Zwiebelpflanzen. Trotzdem ist sein Bericht "Eingepferchte Nomaden" lesenswert. Erstens ist er aus Buenos Aires nach Caracas geflogen und leistet sich damit einen Luxus, auf den viele "Venezuela-Experten" anderer Medien verzichten. … weiter >

19. Jan | Mexiko | Soziales

Sechs Tote wegen Dürre in Mexiko

Ciudad Juárez. Seit Dezember sind mindestens sechs Angehörige der indigenen Volksgruppe der Rarámuri in Mexiko verhungert. Diese Informationen der Campesino-Organisation El Barzón hat nun die Regierung des Bundesstaates Chihuahua bestätigt. … weiter >

Brasilien: 2011 leichte Entspannung bei Lebensmittelspreisen

Reiskörner

Brasília. Lebensmittel sind 2011 in Brasilien um gut sieben Prozent teurer geworden. Damit ist der Anstieg für einen Durchschnittshaushalt etwas geringer ausgefallen als im Vorjahr. 2010 waren die Preise für Nahrungsmittel noch um etwas mehr als zehn Prozent gestiegen. … weiter >