1. Aug 2007 | Venezuela | Medien

"Sehr große Presse- und Meinungsfreiheit"

Offener Brief der deutsch-venezolanischen Historikerin Dr. Dorothea Melcher an die Tageszeitung Die Welt

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Zu: Christoph Keese: Die rhetorischen Tricks eines Populisten vom 15.07.2007. Siehe auch amerika21.de-Blog-Eintrag "Ein Bock macht sich zum Gärtner".

Cada ladrón juzga según su condición - Jeder Dieb urteilt nach seiner eigenen Denkweise. (Venezolanische Redensart)

Meine Äußerung zum Fall des Senders RCTV im Interview mit dem Deutschlandfunk wurde ohne mein Wissen von Lafontaine zitiert, tatsächlich nicht komplett, denn ich habe die Schaffung von vielen lokalen und alternativen Sendern dort nicht gesagt (sie stimmt aber), und außerdem sagte ich, dass ich eigentlich nicht für den Entzug der öffentlichen Sendelizenz für RCTV war, denn man könne ja umschalten ... Was allerdings nicht den Sinn der Aussage ändert, denn ich führte als Grund an den Missbrauch, den die privaten Sender in Venezuela mit ihrer Medienmacht begangen hatten. Sie betätigten sich wie politische Parteien, und das ist doch nicht ihre Rolle.

Übrigens war der einzige Sender, der seit Amtsantritt von Chávez je abgeschaltet worden ist, der staatliche Sender VTV am Abend des Putsches gegen Chávez am 11. April 2002, den die privaten Medien tagelang vorher mit einer hemmungslosen Propagandakampagne angeregt hatten. Und diese Schließung durch die Opposition wurde von den privaten Sendern begeistert bejubelt.

RCTV sendet ja wieder, nun über Kabel.

Und nun wirft Christoph Keese Lafontaine vor, mich unzureichend zitiert zu haben. Aber das stimmt nun wirklich nicht! Denn wenn man die Sendung hört, sage ich keinesfalls das, was er da anführt (und übrigens würde ich das auch nicht sagen). Mein Interview wurde am 18. März gesendet.

Daraus wurde am 26. Mai zitiert, als es um den Fall RCTV ging, aber was als meine Aussage angeführt wird, ist vom Redakteur Peter B. Schumann und nicht von mir! Er sagt mir in seinem E-Mail dazu: "Der Text, den Sie mir mitteilen, ist ein Stück meines Kommentars, nicht Teil Ihres Statements. Unglaublich, wie schludrig diese Leute arbeiten. Sie müssen reagieren und WELT ONLINE auffordern, dies richtig zu stellen."

Meine Meinung ist immer noch, dass es in Venezuela eine sehr große Presse- und Medienfreiheit gibt. Wenn es Versuche gibt, sie einzuschränken, gehöre ich zu denen, die dagegen auftreten werden.

Ich verlange also, diese Richtigstellung vorzunehmen!

Dr. Dorothea Melcher

Anmerkung der Redaktion: Eine Antwort der Redaktion der Tageszeitung Die Welt blieb bislang aus.

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