27. Nov 2007 | Deutschland | Venezuela | Medien

Realität und Wachstum

Wirtschaftliche und ideologische Trendwende wird im Kontext des Wachstums nicht thematisiert

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Mit einem politischen und journalistischen Widerspruch mussten sich deutsche Zeitungen dieser Tage beschäftigen: Denn während hiesige Redaktionen wegen der Abkehr von neoliberaler Misswirtschaft in Lateinamerika nicht nur den Verfall der Demokratie, sondern eben auch der Wirtschaft in Venezuela, Bolivien und anderen Staaten der Region beklagen, ist die Wirtschaftskommission der UNO für Lateinamerika (Cepal) zum gegenteiligen Ergebnis gekommen: Lateinamerika geht es besser. Der Amerika21-Kollege Maxim Graubner hat über die Cepal-Studie schon berichtet.

Zu den wenigen deutschen Zeitungen, die auf die Studie auch eingingen, gehört das Handelsblatt. Lateinamerika-Korrespondent Klaus Ehringfeld schreibt:

„Hauptgrund für den Konjunkturaufschwung sind eine positive Weltkonjunktur und die hohen Preise für Rohstoffe wie Erdöl, Silber, Kupfer und Soja.“

Das mag stimmen. Richtig ist aber auch, dass die Gewinne nur in den Ländern der Region bleiben, weil weit über die links regierten Länder hinaus die Kontrolle des Staates wieder gestärkt wurde. Mit der Etablierung neoliberaler Reformen ab den 1980er Jahren waren schließlich kaum mehr Verdienste aus dem Ressourcenhandel in den Herkunftsstaaten geblieben; unter dem Druck von Weltbank und Internationalem Währungsfonds wurden Steuern für transnationale Konzerne massiv gesenkt.

Und hier liegt der Widerspruch, dem sich das Handelsblatt gegenübersieht: In seinem Selbstverständnis als Zentralorgan der bundesdeutschen Finanzwelt muss es über reale Entwicklungen informieren. Die wirtschaftliche und ideologische Trendwende in Lateinamerika aber wird im Kontext des Wachstums nicht thematisiert.

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