23. Okt 2009 | Deutschland | Südamerika | Medien

Stichwortgeber des Tages: Deutschlandfunk

Zum Interview mit Hildegard Strausberg

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So kann man sich auch Aufmerksamkeit sichern: Seit am heutigen Morgen in GEZ-finanzierten Deutschlandfunk ein Interview mit der rechtsgerichteten Journalistin aus dem Verlagshaus Springer, Hildegard Stausberg, ausgestrahlt wurde, schlagen die Wellen in einigen Internetforen hoch.

Für Aufregung sorgt dabei nicht nur der aggressive Ton der Interviewten. Skandalös, so meinen einige der Zuhörer, sei auch die Moderation des Radio-Moderators Jürgen Liminski, der anfangs von den "Machenschaften und Reden des Diktators in Venezuela, Hugo Chávez" berichtet.

Amerika21.de dokumentiert in Auszügen einen Brief des Bonner Lateinamerika-Journalisten Ulrich Mercker an Udo Schefczik vom Hörerservice des Deutschlandfunks.


Sehr geehrter Herr Schefczik,

Das heute Morgen ausgestrahlte Interview mit der für ihre extrem konservativen Ansichten bekannten "Päpstin" der deutschen Lateinamerikaberichterstattung, Frau Hildegard Stausberg, lässt in meinen Augen jegliche journalistische Sorgfaltspflicht vermissen.

In unverantwortlicher Weise wird Frau Stausberg hier eine Bühne geliefert, auf der sie ungebremst ihre ideologischen Halbwahrheiten über den gesamten Kontinent verbreiten kann.

Der Gesprächspartner Jürgen Liminski betätigt sich dabei nicht als nachfragender Journalist, sondern lediglich als Stichwortgeber, so dass die "Welt"-Korrespondentin ungehindert aus ihrem mit Gift und Galle gefüllten Nähkästchen plaudern kann. Dabei erweist es sich als verhängnisvoll, dass üblicherweise leider nur in Schlagzeilen über Mittel- und Lateinamerika berichtet wird - wie Herr Liminski in seiner Anmoderation treffend bemerkte -, und diese dann auch noch von politisch motivierten Quälgeistern vom Schlage einer Stausberg geprägt werden.

Kaum sind die alten Eliten - ob in Bolivien, in Venezuela, in Ecuador oder in Paraguay, oder nun möglicherweise in Honduras - von den Fleischtöpfen der Macht vertrieben, hebt großes Geschrei von wegen "Unregierbarkeit" an.

Natürlich lässt ein Indio-Präsident in einem über Jahrhunderte von Weißen ausgeplünderten Land wie Bolivien den Blutdruck eben dieser Herrschaften steigen, das heißt aber noch lange nicht, dass es sich bei Herrn Morales um einen gemeinen Kriminellen handelt, der nichts anderes im Sinn hat als iranische Militärbasen in seinem Land zu errichten, um so die von Frau Stausberg insinuierten Drogengeschäfte abzusichern.

Vollends verantwortungslos wird die "diplomatische Korrespondentin" jedoch, wenn sie vor dem bevorstehenden spanischen EU-Vorsitz warnt, da Spanien "eindeutig wirtschaftliche Interessen" in der Region verfolge und damit in einen Interessengegensatz zur zukünftigen deutschen Außenpolitik gerate.

Die Quintessenz Ihres Moderators lässt am Ende des Gesprächs denn auch nicht auf sich warten: "Lateinamerika droht in den Griff der Gewalt zu geraten, auch eine Herausforderung für die Außenpolitik der zukünftigen Regierung."

Wie wär's, wenn Sie demnächst einmal Stimmen zu Wort kommen lassen, die eine etwas differenziertere Sicht auf die komplexe Realität des Subkontinents vermitteln?

Mit der Bitte um Weiterleitung an die Redaktion und die beiden Protagonisten der Sendung verbleibe ich mit freundlichem Gruß,

Ulrich Mercker, Bonn.

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