22. Okt 2007 | Vatikan | Venezuela | Medien

Radio Vatikan – Journalistisch nicht akzeptabel

Wer im Glashaus sitzt...

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Venezuela: 'Moralisch nicht akzeptabel', meldete Radio Vatikan am 22. Oktober 2007.

Der Titel der hochgeistlichen Tickermeldung führt wie so vieles, was die katholische Kirche von sich gibt, in die falsche Richtung. Nicht Venezuela ist “Moralisch nicht akzeptabel”, wie der Titel unterstellt. Im weiteren Verlauf der kurzen Reutersmeldung erfahren die geneigten Leser, daß Venezuelas Präsident Hugo Chávez gesagt haben soll, die Kirchenführung in seinem Land sei “moralisch nicht akzeptabel.” So eine Kritik kann “die Stimme des Papstes und der Weltkirche” natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Radio Vatikan beklagt sich, daß Chávez die Bischöfe mit denselben Worten pudert, mit denen sie Teile der Verfassungsreform bezeichnet haben. Welche Punkte das genau sind, nennt der Kirchensender nicht. Stattdessen zitiert er kurz aus einem Statement der Kirchenoberen, die Chávez am Freitag vorgeworfen haben, “er wolle mit einigen der Änderungen seine 'autoritäre Macht' zementieren.”

Eigentlich müßte man voraussetzen dürfen, daß die Macher von Radio Vatikan wissen, was eine “autoritäre Macht” ist: schließlich funken sie im Auftrag des Papstes, der einmal - unter Ausschluß der Öffentlichkeit - gewählt bis zu seinem Ableben über den Stadtstaat und die Weltkirche herrschen darf – ohne sich jemals einer Wiederwahl stellen oder gar ein Abwahlreferendum befürchten zu müssen. Und über die Unfehlbarkeit des Papstes wollen wir mal gar nicht sprechen.

Die Kriminalgeschichtes des Christentums ist lang und blutrünstig, global und immer noch aktuell. In Venezuela hat die Amtskirche ihren Beitrag geleistet, damit Karlheinz Deschners gleichnamiges Monumentalwerk ein weiteres Kapitel erhält: Am 12. April 2002 waren hochrangige Geistliche anwesend, als sich der Putschist Pedro Carmona Estanga zum Präsidenten ernannte. Weder die venezolanische Bischofskonferenz noch der Vatikan haben sich für das undemokratische und verfassungsfeindliche Verhalten ihrer Vertreter entschuldigt. Mit dieser Strafakte auf dem Tisch wäre es angebracht, wenn die Geistlichen in Caracas und Rom Buße täten, bevor sie sich ein Urteil darüber anmaßen, was moralisch aktzeptabel ist und was nicht.

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