Antideutsche und Neonazis: Getrennt marschieren, gemeinsam publizieren
Mehrere Hundert Menschen nahmen am vergangenen Wochenende am einer Autokarawane und mehreren öffentlichen Feiern zum 50. Jahrestag der Kubanischen Revolution im Ruhgebiet statt. Selbst das Internetportal "Der Westen" der konservativen WAZ-Gruppe berichtete über das Event in Oberhausen, Essen, Duisburg und Bochum
Wahrgenommen wurde die Initiative im Internet auch von Kritikern. Ausführlich widmete sich der Blog Pro Zion NRW dem Ereignis – um die Aktion und ihre Organisatoren mit jeder erdenklichen Beleidigung zu versehen. Neben den selbst erklärten Freunden des in Anbetracht solcher Unterstützung bedauernswerten jüdischen Staates wurde das Vorhaben im Leserforum des WAZ-Portals auch von Wolfgang Duda attackiert, dem Vorsitzenden der faschistischen NPD in Oberhausen.
Dass Neo-Nazis und Neo-Zionisten ist die gleiche Richtung stoßen, mag auf den ersten Blick ein absurder Zufall sein. Doch gleichen sich beide Kommentare derart, dass wir Ihnen einen Vergleich nicht vorenthalten möchten (Rechtschreibung wie im Original):
Pro Zion NRW:
Dem letzten Paradies, der real existierenden Sozialisten geht es gar nicht gut und das nicht erst seit gestern. Um genau zu sein, fing dass Elend an jenem Tag an, als ein gewisser Fidel Alejandro Castro Ruz mit einer Handvoll krimineller Wanderstalinisten den Inselstaat an sich riss.
Faschist Duda:
Was zählt da schon dass Cuba nach dem Willen seines Diktators keine Demokratie kennt. Dass selbst potenzielle Oppositionelle verfolgt und hart bestraft werden, dass Lebensmittel seit Jahrzehnten rigide rationalisiert werden.
Pro Zion NRW:
Die Menschen, die im Elend codiert durch den Begriff „Sozialismus“ leben müssen …
Faschist Duda:
Den 50. Jahrestag der „sozialistischen Revolution“ in Kuba …
Pro Zion NRW:
Sicher gibt es Flecken auf der Insel, die dem europäischen Sextouristen durchaus entgegen kommen, aber mehr als die deutschen Hotelanlagen und die Produktion von Rauchwaren bietet dieses herunter gewirtschaftete Land nicht.
Faschist Duda:
… dass Cuba längst eine Zwei – Klassengesellschaft ist in der Prostitution, Bettelei, Betrug und Korruption besonders gut gedeihen.**
Pro Zion NRW:
Als finanzkräftige Investoren treten neben „Die Linke Oberhausen“ noch die „Humanitäre Cubahilfe e.V.“ aus Bochum auf, die „Cuba AG“ der DKP und das obskure „Büro Buchmesse Havanna“ des antizionistischen Hetzblattes „junge Welt“. Von letztgenannten dürfte man dann auch schriftlichen erfahren, dass der erneute Sieg der kubanischen Revolution über das verhasste Imperium der freien Welt geglückt ist.
Faschist Duda:
Unterstützt von der „Freundschaftsgesellschaft BRD – Cuba“, der Humanitären Cubahilfe (wieso ist die nach 50 Jahren eigentlich noch nötig) der DKP (ach ja, die gibt es ja auch noch, obwohl die DDR sie nicht mehr finanzieren kann) dem Büro Buchmesse Havanna und der Zeitung „Junge Welt.“
Ironie der Geschichte: Die selbst erklärten Freunde Israels kommen aus der sogenannten antideutschen Linken. Geht es gegen Kuba, marschieren sie getrennt von den Faschisten, um (medial) gemeinsam zuzuschlagen. Für beide gilt weiter, was Thomas Mann einst feststellte: "Der Antikommunismus ist die Grundtorheit dieser Epoche."




Kommentare
Antideutsche und Neonazis
Ich finde diesen Beitrag gut. Denn er zeigt, dass der mit vielen Worten in Szene gesetzte Pseudo-Antifaschismus der Antideutschen in Wirklichkeit nicht existiert, sondern nur als rhetorisches Mittel dient, um eine Deutungshoheit über die Linke und ihre antifaschistische Tradition zu erlangen. Letztlich sind die Antideutschen bei Positionen der NPD und globalen Kriegsführer gelandet, da helfen auch tolle Worte wie "antiemanzipatorisch" als Kompetenzverstärker nicht.
Duruti