23. Jun 2007

Bildet zwei, drei, tausende Kooperativen!

Unter Chávez erlebt das Kooperativenwesen einen Boom

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Die Zahlen sind beeindruckend. Ende 2006 bestanden in Venezuela laut offiziellen Angaben 181.000 Kooperativen. Damit wuchs deren Anzahl alleine im Vergleich zu 2005 um 195 Prozent. Gerade einmal um die 800 Kooperativen waren es beim Amtsantritt Hugo Chávez' im Jahre 1999.

Die bolivarianische Regierung hat sich wirtschaftlich dem Modell der "endogenen Entwicklung" verschrieben. Hierbei kommt der Förderung einer solidarischen Ökonomie, die vor allem auf der massiven staatlichen Förderung von Kooperativen fußt, großes Gewicht zu. In Kooperativen soll gleichberechtigt, demokratisch und ohne Hierarchie gearbeitet und entschieden werden. Bereits in der bolivarianischen Verfassung von 1999 wird die Bedeutung dieser Unternehmensform für die venezolanische Gesellschaft an mehreren Stellen betont. "Der Staat fördert und schützt diese Vereinigungen, die zum Ziel haben, die Basis- und Alternativökonomie zu verbessern", heißt es etwa in Artikel 118 des Gesellschaftsvertrages. In den letzten Jahren sind verschiedene staatliche Initiativen entstanden, um diesen Anspruch gesellschaftliche Wirklichkeit werden zu lassen.

Zunächst wurden 2001 ein Land- und ein neues Kooperativengesetz per Dekret verabschiedet.

Neue Gesetze

Das Landgesetz ermöglicht die Enteignung unproduktiver Ländereien, um die Landnutzung zu demokratisieren. Anfang des 21. Jahrhunderts hatten 90 Prozent der Bevölkerung nur sieben Prozent des Landes zur Verfügung und der Staat keinerlei Recht, große Ländereien zu überprüfen, geschweige denn brachliegendes Land an Kooperativen zu verteilen. Das Kooperativengesetz erleichtert die Gründung von Kooperativen jeglicher Art und sieht für diese finanzielle Anreize wie Steuererleichterungen und niedrig verzinste Mikrokredite vor. Beide Gesetze verfolgen das Ziel, sich von der Exportausrichtung des großen Agrarbusiness zu lösen, kollektives Eigentum aufzuwerten und somit eine eigenständige Entwicklung voranzutreiben. Durch die Bildung endogener Entwicklungskerne (NUDES), die aus meh­reren Dörfern oder auch ganzen Regio­nen bestehen können, soll eine Dezentralisierung der Wirt­schaft erreicht werden.

Um dies koordiniert voranzutreiben, wurde im September 2004 das Ministerium für Basisökonomie (MINEP) gegründet. Dem Ministerium untergeordnet ist das bereits zuvor ins Leben gerufene staatliche Ausbildungsprogramm Misión Vuelvan Caras (Wendet die Gesichter), in dessen Rahmen bisher etwa 200.000 Menschen Fähigkeiten und Kenntnisse zur Gründung von Kooperativen vermittelt bekommen haben. Einer in der Regel einjährigen Ausbildungszeit soll im Anschluss die direkte Einbeziehung in den Aufbau von Kooperativen folgen. Dieser Aufbau wird vom Staat ebenfalls finanziell und logistisch unterstützt. Finanziert werden diese Anstrengungen direkt durch die Erdöleinkünfte des staatlichen venezolanischen Erdölunternehmens PDVSA.