30. Aug 2010 | Mexiko | Menschenrechte | Politik

Debatte in Mexiko nach Mord an Migranten

Massaker im Nordosten des Landes: Ehemalige Polizeieinheit verantwortlich. Staat tief in Verbrechen verstrickt

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Mexiko-Stadt. Im mexikanischen Tamaulipas wurden letzte Woche die Leichen von 72 ermordeten Migranten aufgefunden. Für das Massakers im Nordosten des Landes verantwortlich zeichnet sich das Drogenkartell der Zetas. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Spezialeinheit der mexikanischen Polizei. Sie war Ende der 90er Jahre zum Golfkartell übergelaufen und gilt mittlerweile selbst als eines der mächtigsten Drogenbanden Mexikos.

In den letzten vier Jahren haben die Zetas nach Angaben mexikanischer Nichtregierungs­organisationen rund 18.000 Migranten entführt und geschätzte 50 Millionen US-Dollar Lösegeld von Verwandten in den USA erpresst. Die Migranten, die zumeist aus Honduras, Guatemala und El Salvador kommen, werden dabei gefoltert, zur Mitarbeit gezwungen und immer wieder auch hingerichtet.

Im Juli hatte der mexikanische Staat sich gegenüber der Internationalen Komission für Menschen­rechte (CIDH) verpflichtet, Migranten auf ihrem Weg durch Mexiko zu schützen. Der Erklärung war eine Klage mexikanischer Nichtregierungs­organisationen wegen der Verstrickung staatlicher Institutionen in die stark zunehmenden Entführungen vorausgegangen.

Den Migranten wird ihre Illegalisierung durch die US-amerikanischen Migrations­kontrolle im Transitland Mexiko zum Verhängnis. Rassistische Vorurteile innerhalb der Bevölkerung und Korruption in den Behörden garantieren den Zetas faktisch Straffreiheit. So haben sich die Migranten laut der mexikanischen Tageszeitung Reforma für sie als "Goldgrube" erwiesen. Diese nutzt das junge Drogenkartell ohne traditionelles Territorium, um seine Einflussbereiche und Gewinnmöglichkeiten auszuweiten.

Cecilia Romero, die Direktorin der mexikanischen Migrationspolizei (INM), macht hingegen nicht die zunehmende Macht der Drogenkartelle im Staatspparat für das Massaker verantwortlich, sondern die undokumentierte Migration an sich. Gegenüber der Tageszeitung Milenio empfahl sie Migranten ohne Papiere, sich den Behörden freiwillig zu stellen, um, so der Jargon des INM, "sicher wiederbeheimatet" – also abgeschoben – zu werden.

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