Gewalt gegen Vertriebene in Kolumbien

Debatte in Kolumbien nach Mord an Bauernaktivisten in der Region Urabá. Großgrundbesitzer schüchtern legitime Besitzer des Bodens ein

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Bogotá. Die Gewalt gegen Landarbeiter in Kolumbien dauert auch unter der neuen Regierung von Präsident Manuela Santos in unverminderter Härte an. Vor einer Woche wurde der führende Bauernaktivist Hernando Pérez in der nordwestlichen Region Urabá ermordet. Pérez war Sprecher von 25 der rund 1000 Mitgliedsfamilien des Verbands Asovirestibi. Dieser kämpft zusammen mit den Vertriebenen um die Rückgabe der Güter und Grundstücke, die sie vor 2005 durch paramilitärische Gewalt verloren hatten. In jenem Jahr wurde das Entwaffnungsabkommen zwischen den damaligen Paramilitärs und der Regierung geschlossen. Aufgrund des jüngsten Mordes fürchten auch die anderen bedrohten Partner von Asovitebi um ihr Leben, bekundete diese Woche die Leiterin von Asovirestibi Carmen Palencia.

Die Anstifter der Angriffe seien Viehzüchter und Agrarunternehmer mit ausgedehnten Ölpalmplantagen, erklärte Palencia. Durch solche Morde beabsichtigten die Nutzer der illegal besetzten Gründstücke, die Rückgabe an die legitimen Besitzer zu verhindern, sagte Carlos Páez, ein weiteres Mitglied von Asovirestibi.

47 Bauern, die Prozesse zur Rückgabe ihrer Grundstücke führten, sind in den letzten drei Jahren ermordet worden; sieben davon in Urabá. Albeiro Valdés, Vorgänger von Hernando Pérez, wurde erst vor vier Monaten umgebracht. In beiden Fällen wurden die Opfer von zwei bewaffneten Männern auf einem Motorrad entführt und dann erschlagen. Nach Angaben von Vertriebenen aus der Region seien die zwei Söldner bekannte Mitglieder der paramilitärischen Gruppe „Schwarze Adler“, so die Tageszeitung El Colombiano. Nach dem Mord an Valdés habe man die Namen und sogar die Ausweisnummern der zwei Täter der Staatsanwaltschaft gegeben, versicherte der Koordinator der Versöhnungskommission im Bundesstaat Antioquia Gerardo Vega. Trotzdem habe die Behörde keine Untersuchung  aufgenommen.

Santos Regierung kündigte indes an, zwei Millionen Hektar an eine halbe Million Vertriebene zurückzuerstatten. Aber der Druck der Großgrundbesitzer mit illegal erworbenen Ländereien auf die klagenden Bauern nehme rapide zu, während die Morde unaufgeklärt blieben, bemerkt der Menschenrechtler Óscar Yepes. Solange die traditionelle Loyalität des Militärs gegenüber den Großgrundbesitzern nicht beendet werde, hätte eine ernsthafte Rückerstattung wenig Chancen, schrieb Molano in der Tageszeitung El Espectador.

Am vergangenen Sonntag händigte der Landwirtschaftsminister bei offiziellen Feierlichkeiten 34 Besitzurkunden an vertriebene Bauern in Urabá aus. Auch Hernando Pérez nahm an dieser medienwirksamen Zeremonie teil. Am Abend desselben Tages war er tot.

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