2. Okt 2010 | Kolumbien | Menschenrechte | Militär

General mit Verzögerungstaktik

Enthauptungsprozess in Kolumbien: Diskreditierungskampagne gegen Ankläger. Zahlreiche Hinweise auf Verbindungen zu Paramilitärs

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Bogotá. Am vergangenen Mittwoch fand in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá der jüngste Verhandlungstag im Prozess gegen den General a.D., Rito Alejo del Río, statt. Er wird beschuldigt, verantwortlich für die Enthauptung des Bauern Marino López im Jahr 1997 zu sein. Bei der Gerichtssitzung wollte del Río beweisen, dass die Anklage Teil eines Komplotts von Menschenrechtlern und linken Politikern gegen ihn sei. Dafür bestellte seine Verteidigung "Karina" und "Samir" in den Zeugenstand. Beide waren von der kommunistischen FARC-Guerilla wegen Unregelmäßigkeiten und Betrug vor drei Jahren ausgeschlossen worden. Nun behaupteten sie in den Medien, dass der Menschenrechtler der Organisation "Justicia y Paz", Javier Giraldo, und die linke Politikerin Gloria Cuartas mit der FARC kooperierten. Giraldo und Cuartas hatten die ersten schweren Anklagen gegen den General an die Öffentlichkeit gebracht.

Bei der Anhörung am Mittwoch sagten "Karina" und "Samir" wieder gegen Gloria Cuartas aus. Die ehemalige Bürgermeisterin von Apartadó in der nordöstlichen Region Urabá lehnte diese Erklärungen kategorisch ab. "Das ist nur ein Ablenkungsmanöver des Generals, um den Prozess hinauszuzögern."

Die Enthauptung des Bauern Marino López im Jahr 1997 ereignete sich im Rahmen eines Angriffs von rechten Paramilitärs in Cacarica, einem Gemeindebezirk im Urabá. Laut den Aussagen der Dorfbewohner hätten Militärangehörige und Paramilitärs jeden gezwungen zuzusehen, wie sie mit Marinos Kopf Fußball spielen. Der makabere Fall ist eines der 500 Menschenrechtsverbrechen, die die kirchliche Kommission "Justicia y Paz"  dem General vorwirft. Del Río hätte als Kommandant der 17. Brigade der Armee mit den paramilitärischen "Selbstverteidigungsgruppen von Córdoba und Urabá" zusammengearbeitet. Darauf weisen nationale und internationale Menschenrechtsorganisationen seit 10 Jahren hin. Trotzdem sind die offiziellen Untersuchungen bereits mehrmals eingestellt worden. Der aktuelle Prozess wurde erst vor zwei Jahren eröffnet.

Fünf demobilisierte Paramilitärs, die den Mord an Marino López  gestanden, sagten im Jahr 2008 gegenüber der Staatsanwaltschaft aus, dass die Operation Cacarica gemeinsam mit Del Río geplant wurde. "Ich traf General del Río häufig. Er war einer der wichtigsten Förderer der ‚Selbstverteidigungsgruppen’", bekannte der Paramilitär-Chef "HH" vor seiner Auslieferung an die USA gegenüber der Fernsehsendung Contravía. Selbst der Oberst und damalige stellvertretende Kommandant der 17. Brigade, Carlos Velázquez, versicherte mehrmals, dass del Río ständig forderte, die Paramilitärs nicht zu bekämpfen. Laut dem Armeeoffizier kannte der Ex-Präsident Álvaro Uribe als damaliger Gouverneur des Bundesstaats Antioquia alle Details der Militäraktionen in Urabá. Uribe selbst bezeichnete den General als "Urabás Friedenstifter".

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