19. Okt 2010 | Belarus | Venezuela | Politik | Wirtschaft

Venezuela stößt nach Eurasien vor

Chávez in Moskau, Minsk, Kiew und Teheran. Geschäfte in Erdölwirtschaft. In Weißrussland Bau von Nutzfahrzeugen für Venezuela vereinbart

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Minsk. Bei einem Staatsbesuch in Weißrussland haben Venezuelas Präsident Hugo Chávez und sein Amtskollege Alexander Lukaschenko eine Ausweitung der wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder beschlossen. Der Besuch folgte auf eine Visite in Russland. Am Montag besuchte Chávez zudem die Ukraine. Nach dem Aufenthalt in Kiew reiste Chávez gestern nach Teheran weiter, schreibt die Agentur RIAN.

Laut den Abkommen in Minsk wird der staatliche venezolanische Energiekonzern PdVSA ab dem kommenden Jahr 2011 rund 30 Millionen Tonnen Rohöl an Weißrussland liefern. Knapp 20 Milliarden US-Dollar wird der Deal über eine Laufzeit von drei Jahren in die Staatskassen des südamerikanischen Landes spülen. Gleichzeitig vereinbarten beide Staatschefs eine tiefer gehende Zusammenarbeit im Bereich des sozialen Wohnungsbaus. Trotz eines staatlichen Wohnungsbauprogramms mit einem Umfang von 200.000 gebauten Wohneinheiten 2009, fehlen aufgrund der Bevölkerungsentwicklung in Venezuela nach unterschiedlichen Einschätzungen in den nächsten Jahren zwischen zwei und vier Millionen Wohnungen.

Nach Angaben der venezolanischen Tageszeitung El Universal sieht der neue bilaterale Handelsvertrag ebenso die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens für die Produktion von Schwertransportern und Bussen in Venezuela vor.  Auch im Bereich der Lebensmittelproduktion soll der Austausch von Technologien ausgeweitet werden. Bereits 2009 hatten beide Länder Verträge über gemeinsame Investitionen bei der Erschließung von Ölvorkommen im Orinoco-Becken geschlossen. 

Gegenüber venezolanischen Medien verteidigte Chávez indes den Verkauf der deutschen Raffinerien der Ruhr Oel GmbH an das russische Unternehmen Rosneft. Er begründete den Verkauf unter anderem damit, dass die Raffinerien weder venezolanisches Erdöl verarbeitet, noch venezolanische Arbeitsplätze oder gar Gewinne für Venezuela geschaffen hätten. Der staatliche Ölkonzern PdVSA hatte bereits 2005 angekündigt, sich von einigen internationalen Unternehmensbeteiligungen zu trennen und sich auf das Kerngeschäft der Rohölförderung und -verarbeitung in Venezuela zu konzentrieren. Auch das US-amerikanische Tankstellennetz Citgo stand zwischenzeitlich zum Verkauf, wurde aber letztlich nicht abgegeben. PdVSA hatte sich vor allem in den 1980er und 1990er Jahren der Kontrolle des venezolanischen Staates weitgehend entzogen und sich dank niedriger Abgaben und Steuern zu einem transnationalen Großkonzern entwickelt.

Nach einer Unternehmensreform in den Jahren 2002 und 2003, die zu schweren politischen Auseinandersetzungen samt Putschversuch und Generalstreik der Unternehmer geführt hatte, finanzieren die Gewinne der PdVSA zu großen Anteilen die ehrgeizige Sozialpolitik der venezolanischen Regierung.

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