21. Okt 2010 | Europa | Honduras | Politik

EU soll Gewalt in Honduras eindämmen

Appell an Außenbeauftragte Ashton. Bundesregierung setzt weiter auf Anerkennung der De-facto-Regierung. Botschaftspersonal ausgewechselt

DruckversionEinem Freund senden

Tegucigalpa. Internationale Sozialorganisationen und entwicklungspolitische Netzwerke haben die Europäische Union zum wiederholten Male aufgefordert, gegen die zunehmenden Menschenrechtsverletzungen in Honduras tätig zu werden. In einem offenen Brief an die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton weisen die Autoren auf die "andauernd schlechte Situation der Menschenrechte" in dem mittelamerikanischen Land hin, seit es Ende Juni 2009 zu einem Putsch gegen die letzte demokratisch gewählte Regierung des liberalen Politikers Manuel Zelaya kam.

Seit dem gewaltsamen Umsturz, mit dem eine Reform der Verfassung verhindert werden sollte, auf die vor allem soziale Organisationen gedrängt hatten, seien in Honduras zahlreiche Aktivisten der Demokratiebewegung und Journalisten ermordet worden. Allein seit März dieses Jahres wurden demnach zehn Medienschaffende Opfer politischer Morde, heißt es in dem vierseitigen Schreiben der Organisationen und Netzwerke ALOP, APRODEV, CIDSE, CIFCA, FIAN International, Grupo SUR und Oxfam.

Während die De-facto-Regierung von Präsident Porfirio Lobo international weiter isoliert ist, fährt die deutsche Regierung mit ihrem Anerkennungskurs fort. Nach einem Bericht der regierungsnahen Tageszeitung La Tribuna ist der neue Botschafter, Efraín Dían Arrivillaga, beim Auswärtigen Amt vorstellig geworden. In der kommenden Woche soll der Unterstützer des Putsches und Politiker der Christdemokratischen Partei seines Landes die Akkreditierung durch Bundespräsident Christian Wulff erhalten.

Nach Angaben des deutschen Auswärtigen Amtes haben in der honduranischen Botschaft in Berlin von Mai bis Juli dieses Jahres indes vier neue Diplomaten ihre Arbeit aufgenommen, unter ihnen ein Sohn des Präsidenten Lobo. Dessen De-facto-Regierung hat lediglich die Gesandte Vania Maribel García Morales auf ihrem Posten belassen. Nach Informationen aus diplomatischen Kreisen ist García Morales, eine Befürworterin des Putsches gegen Zelaya, von der neuen Staatsführung für das Amt der Botschafterin in Jamaika vorgesehen. Vorerst muss die Diplomatin aber in Berlin verbleiben. Wie die Mehrheit der lateinamerikanischen und karibischen Staaten erkennt die Regierung in Kingston das De-facto-Regime in Honduras nicht an.

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: Putsch + Manuel Zelaya + EU

14. Mai | Honduras | Politik

Die Partei LIBRE und ihre Aufgaben

Eine Analyse der Genese der neuen Partei innerhalb der Widersprüche des heutigen Honduras'

Honduras durchläuft derzeit eine schwere sozio-politische und wirtschaftliche Krise, ausgelöst durch den Verschleiß der alten, liberal-konservativen Parteienlandschaft, mit ihren im Verlaufe der Ze … weiter >

Grünen-Abgeordnete fordern mehr Schutz für Aktivisten in Honduras

Berlin. Nach dem Mord am Oppositionellen und Menschenrechtsaktivisten Erick Martínez Ávila in Honduras haben zwei Abgeordnete der Grünen Konsequenzen von der De-facto-Regierung des mittelamerikanischen Landes gefordert. … weiter >

Weiterer Mord an Oppositionellen in Honduras

Erick Martínez Ávila bei der diesjährigen 1.-Mai-Demonstration in Teguc

Leiche von Martínez Ávila aufgefunden. Schwuler Aktivist setzte sich in Partei LIBRE für sexuelle Rechte ein. Proteste am 17. Mai geplant

Tegucigalpa. Erneut ist in Honduras ein Aktivist der Opposition einem Mord zum Opfer gefallen. Erick Martínez Ávila wurde am Morgen des 7. … weiter >