6. Nov 2010 | Kolumbien | Militär | Politik

ELN zum Friedensdialog bereit

Zweitgrößte Guerillaorganisation Kolumbiens schlägt verfassunggebende Versammlung vor. Keine Reaktion der Regierung Santos

DruckversionEinem Freund senden

Bogotá. Der Oberkommandant des Nationalen Befreiungsheers (ELN), Nicolás Rodríguez Bautista hat die Bereitschaft seiner Organisation zu einem Friedensdialog erklärt. Die 15-minütige Rede des Rebellenführers mit dem Alias "Gabino" wurde am Mittwoch bei der Videoplattform Youtube veröffentlicht. Als Weg zum Frieden schlägt das ELN ein nationales Abkommen vor, an dem sich alle Bevölkerungsgruppen beteiligen und das in eine verfassunggebende Versammlung münden soll.

Die ersten Versuche, zu einem nationalen Abkommen aufzurufen, machte die kolumbianische Guerillagruppe Ende der 1990er Jahre. Im Rahmen der damaligen Friedensdialoge versammelten sich in der deutschen Stadt Mainz 1998 drei Befehlshaber des ELN mit mehreren Dutzend Vertretern der Zivilgesellschaft. Darunter befanden sich Journalisten, Richter, Gewerkschafter, Industrielle, kirchliche Würdenträger und Politiker wie der heutige Präsident Juan Manuel Santos.

Doch die nachfolgenden Friedensverhandlungen mit der Regierung von Andrés Pastrana dauerten drei weitere Jahre und scheiterten am Ende. Die Paramilitärs hätten starken Druck ausgeübt und schließlich verhindert, dass Pastrana das endgültige Friedensabkommen unterschreibe, so Rodríguez Bautista. Zudem hätte das Militär einseitig den Waffenstillstand in dem Gebiet aufgekündigt, wo die Verhandlungen noch stattfanden, fügte der Kommandant hinzu. Auch der vorletzte Präsident, Álvaro Uribe, hätte die Annährungen durch das ELN einseitig beendet, als er die Vermittlungsversuche von Venezuelas Präsident Chávez zurückwies. Nun sei Kolumbiens amtierender Präsident Santos an der Reihe, "einen Weg zum Frieden vorzuschlagen", sagte der ELN-Chef.

Spenden für amerika21.de

Unterstützen Sie unabhängige Berichterstattung: Werden Sie Mitglied des Förderkreises von amerika21.de oder spenden Sie, damit wir unsere Arbeit fortsetzen können. » mehr

Auf den Vorschlag vom ELN hat Santos noch keine Reaktion gezeigt. Bisher hat sich seine Regierung gegen den Dialog mit den kolumbianischen Guerillas ausgesprochen. Wie sein Vorgänger Álvaro Uribe setzt Santos nachdrücklich auf einen militärischen Sieg über die Rebellen. Diese Strategie wird offenbar zunehmend auch von der deutschen Bundesregierung unterstützt.

Das ELN ist die zweitgrößte Guerillaorganisation Kolumbiens nach den Revolutionären Streitkräften (FARC).

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: ELN + Juan Manuel Santos

Kolumbien: Friedensgemeinde weist Entschuldigung der Regierung zurück

Särge mit den Opfern des Massakers

Bogotá. Die Friedensgemeinde San José de Apartadó in Kolumbien hat die amtierende Regierung unter Präsident Juan Manuel Santos dazu aufgefordert, Anschuldigungen gegen das Dorf öff … weiter >

3. Jun | Amerikas | Militär | Politik

Kolumbien in der Nato?

Ein Beitritt Kolumbiens zur NATO erfüllt den USA einen Traum und ist ein Dolchstoß für kontinentale Integrationsprozesse wie Unasur oder Celac

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos hat am 1. Juni angekündigt, er strebe Kolumbiens Beitritt zur NATO an. … weiter >

3. Jun | Kolumbien | Politik

Präsident Santos will NATO-Beitritt Kolumbiens

Präsident Santos bei seiner Rede am Samstag. Rechts im Bild der Sprecher der Marcha Patriótica, David Flórez

Kooperationsabkommen als Zwischenschritt zur Vollmitgliedschaft. Kritiker warnen vor Folgen für den Friedensprozess und die Sicherheit in Lateinamerika

Bogotá. Im Rahmen militärischer Feierlichkeiten hat der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos am Samstag bekannt gegeben, dass Kolumbien … weiter >