6. Jan 2011 | USA | Venezuela | Politik

Chávez-Kritiker soll doch Botschafter werden

Doch keine Entschärfung: Sprecher des US-Außenamtes erklärt weitere Unterstützung für Diplomaten Palmer. Caracas verweigert Akkreditierung

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Washington/Caracas. Verwirrende Signale aus den USA im Botschafterstreit mit Venezuela: Washington hält offenbar doch an der Nominierung des Diplomaten Larry Palmer als Vertreter in Caracas fest, obwohl Venezuelas Regierung seine Akkreditierung abgelehnt hatte. Palmer hatte im Juli bei einer Anhörung vor dem US-Senat harsche Kritik an der sozialistischen Regierung des südamerikanischen Landes geübt und ihr unter anderem eine aktive Zusammenarbeit mit Guerilla-Organisationen aus den USA vorgeworfen.

Vor wenigen Tagen hatte der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip J. Cowley indirekt eingelenkt und die Benennung eines neuen Kandidaten in Aussicht gestellt. Dies sei ohnehin notwendig, da mit dem Ende der Legislaturperiode 2010 die Kandidatur Palmers ausgelaufen sei.

Bei der täglichen Pressekonferenz am Mittwoch nun ruderte der Außenamtssprecher zurück. Zunächst scherzte Crowley über Stellungnahmen des venezolanischen Staatschefs Hugo Chávez. Diese hatte vorgeschlagen, die US-Regierung könne den ehemaligen US-Präsidenten William "Bill" Clinton entsenden. Zu weiteren – wohl eher halbernst gemeinten – Vorschlägen für den Posten gehörten der US-Linguist Noam Chomsky, der Regisseur Oliver Stone oder der Schauspieler Sean Penn. Die drei letztgenannten sind offene Sympathisanten der Linksregierungen in Lateinamerika.

Dann wurde Crowley deutlicher. "Nun, sagen wir es so: Wir schätzen Präsident Chávez Vorschläge, tatsächlich sehen wir uns aber nicht nach einem neuen Kandidaten für den Posten des Botschafters in Caracas um", sagte er laut offizieller Abschrift der Pressekonferenz: "Wir haben deutlich gemacht, dass Larry Palmer unserer Meinung nach der adäquate Kandidat ist, voll qualifiziert, und er wäre und ist ein effektiver Gesprächspartner, um die Kontakte zwischen den Vereinigten Staaten und Venezuela zu verbessern."

Die US-Regierung und das Außenministerium stehen nach wie vor hinter Palmer als Kandidaten für den Posten in Caracas, auch wenn die venezolanische Regierung nicht mit der Nominierung einverstanden ist, so Crowley weiter.

Aus Caracas gab es noch keine Reaktionen auf die neuen Stellungnahmen in Washington. Staatschef Chávez hatte zuvor erklärt, die US-Außenministerin Hillary Clinton habe sich bei einem kurzen Treffen während der Vereidigung der neuen brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff am vergangenen Wochenende bereit erklärt, eine Lösung des Streits zu suchen.

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