2. Mai 2011 | Kolumbien | Schweden | Venezuela | Politik

Venezuela: Weiter Kritik an Becerra-Auslieferung

Präsident Chávez nimmt Stellung zu Deportation. Kolumbianischer Exil-Journalist sieht Entscheidung als Zeichen von Konflikten in Regierung

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Caracas. Die Auslieferung eines schwedischen Journalisten von Caracas an Bogotá sorgt weiterhin für harte Debatten innerhalb des Regierungslagers in Venezuela. Nachdem Kabinettsmitglieder zu der Deportation von Joaquín Pérez Becerra zustimmend Stellung bezogen hatten, verteidigte auch Präsident Hugo Chávez den Schritt. Der in Stockholm lebende und arbeitende Pérez war vor einer Woche von Caracas nach Kolumbien ausgeliefert worden. Die Regierung des dortigen konservativen Staatschefs Juan Manuel Santos wirft ihm die Mitgliedschaft in der Guerillaorganisation FARC vor. Der Herausgeber des regierungskritischen Onlinemagazins Anncol bestreitet die Vorwürfe. Auch regierungsnahe Gruppen in Venezuela, unter ihnen die an der Regierung beteiligte Kommunistische Partei (PCV), kritisierten die Auslieferung.

In einem Interview mit amerika21.de übte nun auch der ebenfalls im schwedischen Exil lebende Journalist Miguel Suárez Kritik an der Auslieferung seines langjährigen Kollegen. "Bei Pérez handelt es sich um einen ehemaligen Politiker der Linkspartei Unión Patriótica, die in den 1980er Jahren mit rund 5.000 Todesopfern brutal zerschlagen wurde", sagte der gebürtige Kolumbianer, der in Stockholm das Internetradio Café Stereo leitet. Pérez' vermeintliches Delikt sei es gewesen, vom schwedischen Exil aus die Nachrichtenseite Anncol zu leiten.

Der nun Deportierte sein wegen seiner journalistischen und politischen Arbeit ins Visier der kolumbianischen Staatsführung geraten, führte Suárez aus. So habe Pérez Anfang Februar 2000 Verhandlungen zwischen den FARC und Vertretern der damaligen Regierung des kolumbianischen Präsidenten Andrés Pastrana sowie Abgesandten des Unternehmerverbandes ANDI moderiert. "Der Kollege Pérez hat seine Kontakte zu den Regierungen von Schweden und Norwegen genutzt, um einen Friedensprozess unter internationaler Aufsicht zu ermöglichen", so Suárez.

Zugleich verteidigte der Journalist die Arbeit von Oppositionellen aus dem Exil, weil "der Staatsterrorismus in Kolumbien keine freie Presse zulässt". Zahlreiche Kollegen seien in den vergangenen Jahren ermordet worden, die linke Zeitung Voz sei Ziel eines Bombenanschlags und ihr Herausgeber, Carlos Lozano, sei ebenfalls der Zusammenarbeit mit der Guerilla bezichtigt worden, führte Suárez auf.

Enttäuscht zeigte sich der Radio-Journalist von der venezolanischen Regierung. "Wir sind natürlich alle betroffen, dass der Kollege an die für ihre Menschenrechtsverletzungen bekannten Behörden Kolumbiens ausgeliefert wurde." Zugleich lehnte er undifferenzierte Angriffe auf die Regierung von Chávez ab. "Ich denke, dass dahinter ein Kampf der Ideologien innerhalb des Bolivarianismus steht", so Suárez gegenüber amerika21.de. Die Konsequenz sei, die Linke in Venezuela weiter zu stärken, "weil Chávez offenbar von rechts unter Druck gesetzt wird".

"Ich glaube, dass der Druck auf die Chávez-Regierung in diesem Fall Teil eines größeren Plans ist", resümiert der Exil-Aktivist: "Die Solidarität soll geschwächt werden, um den Prozess im zweiten Schritt frontal anzugreifen." Unmittelbar sei nun Solidarität mit Pérez notwendig, stellte Suárez fest: "Es gibt derzeit keine Garantien für seine Gesundheit und sein Leben."

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