7. Mai 2011 | Kolumbien | Menschenrechte

Präsident Santos kritisiert Verurteilung von General

Hoher Militär für das Verschwinden von elf Menschen verurteilt. Familien der Opfer weisen Santos’ Kritik am Urteil zurück

DruckversionEinem Freund senden

Bogotá. Zum ersten Mal wurde im Fall der Verschleppung von elf Zivilisten aus dem Justizpalast im Jahr 1985 ein Militäroffizier im Generalsrang schuldig gesprochen. General Jesús Armando Arias Cabrales wurde letzte Woche zu 35 Jahre Freiheitsentzug verurteilt. Präsident Santos bezeichnete die Gerichtsentscheidung jedoch als "ungerecht" und äußerte den Wunsch, dass die Berufung gegen das Urteil zugelassen wird. Santos Erklärung sei eine ungebührliche Intervention, beklagte Jorge Molano, der Anwalt der Familienangehörigen der Opfer. Diese verlangten eine Richtigstellung vom kolumbianischen Staatschef.

"Ihre Äußerungen bereiten uns Schmerz und Sorge", schrieben die Familien der Verschwundenen in einem öffentlichen Brief an Santos. Sie erinnerten an das Versprechen des Präsidenten beim Gedenktag zu den Ereignissen im Justizpalast  im vergangenen November. Dort regte er die Justiz an, den Familienangehörigen zur Seite zu stehen, um die Wahrheit herauszufinden.

General Arias war Kommandant des Regimentsstabs, das den Justizpalast erstürmte, nachdem ein Kommando der Guerillagruppe M-19 das Gebäude besetzt hatte. Über hundert Menschen starben bei der Militäraktion, darunter viele Zivilisten und sogar höchste Richter des Landes. Laut Aussagen von Militärmitgliedern sind allerdings neben einer Guerilla-Kämpferin mehrere Zivilisten lebend aus dem Palast geführt, in Militärstürzpunkte gebracht und zu Tode gefoltert worden.

Nach langen juristischen Kämpfen der Familienangehörigen der Opfer wurde erst im vergangenen Jahr der erste Militäroffizier für das Verschwinden der Zivilisten zur Verantwortung gezogen. Allerdings wurde der zu 30 Jahre verurteilte Oberst Plazas Vega nicht in eine Haftanstalt gebracht. Der Untergebene von General Arias verweilt in einem Hauptquartier der Infanterie und wurde sogar von drei Militärschulen als Dozent engagiert. Die Richterin Maria Stella Jara, die das Urteil gegen Plazas fällte, musste hingegen das Land wegen Morddrohungen verlassen.

In ihrem Brief an Präsident Santos weisen die Familien der verschleppten Menschen auf die Gefährdung hin, der sie durch seine Äußerungen ausgesetzt sind.

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: Verschwundene + Justiz + Juan Manuel Santos

Chilenisches Gericht spricht Mapuche frei

Im Gerichtssaal

Santiago de Chile. Ein Gericht im chilenischen Angol hat sieben Mitglieder der Mapuche-Volksgruppe aus Chequenco von den Vorwürfen freigesprochen, vor zwei Jahren einen Bombenanschlag auf ein Fahrzeug eines Forstunternehmens begangen zu haben. Das Fahrzeug war am 14. Juli 2010 von Unbekannten angegriffen worden. … weiter >

18. Mai | EU | Kolumbien | Politik

EU-Parlament untersucht Spionage-Angriff Kolumbiens

Europaabgeordneter Jürgen Klute

Brüssel. Die Unterkommission für Menschenrechte des Europäischen Parlaments hat sich in einer Anhörung mit dem Spionage-Angriff des ehemaligen kolumbianischen Geheimdienstes DAS befasst. Nach Auskunft der Linksfraktion GUE/NGL stand die Kommission auf einer Liste von Personen und Organisationen, die durch gezielte Beeinflussung der Öffentlichkeit diskreditiert werden sollten. … weiter >

Streit um Militärgerichtsbarkeit in Kolumbien

Kolumbiens Armee

Schicksal der Justizreform nach wie vor unklar. Militärs sollen sich selbst überwachen – trotz massiver Verbrechen

Bogotá. Die Zukunft der Justizreform in Kolumbien ist wegen umstrittener Sonderrechte für das Militär weiter unklar. … weiter >