10. Mai 2011 | Venezuela | Wirtschaft

Venezuela: Umstellung auf freie Software

Größter Teil der öffentlichen Einrichtungen nutzt freie Software. Neue Version von Linux-Canaima vorgestellt. Protest gegen Verträge mit Microsoft

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Caracas. Mehr als 65 Prozent der Computer in öffentlichen Verwaltungen und staatlichen Unternehmen in Venezuela nutzen inzwischen freie Software. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Nationalen Zentrums für Informationstechnologie (CNTI). Nach Angaben von Carlos Figueira, dem Präsidenten des Zentrums, sollen bis Jahresende 2011 weitere 25 Prozent der öffentlichen Arbeitsplätze auf freie Software umgestellt sein und damit den technischen Migrationsprozess nach sieben Jahren abschließen.

Im Dezember 2004 hatte Venezuelas Präsident Hugo Chávez ein Dekret erlassen, das öffentliche Einrichtungen verpflichtet ihre Rechensysteme auf freie Software umzustellen, wenn entsprechende Alternativen zu proprietären Programmen existieren.

Für den Umstellungsprozess hatte die venezolanische Regierung im gesamten Land Akademien für freie Software aufgebaut, um die öffentlichen Angestellten im Umgang mit den neuen Angeboten zu schulen. Außerdem wurde ein breites Programm zur technischen Alphabetisierung aufgelegt, das öffentlich zugängliche Räume anbietet, in denen der Bevölkerung ein kostenloser Computer- und Netzzugang angeboten wird - die sogenannten Infocentros. Neben der Technik bietet die Fundación Infocentro auch Schulungen für Programme an. Nach Schätzungen von Carlos Figueira haben inzwischen zwei Millionen Venezolaner entsprechende Weiterbildungen besucht.

Am Donnerstag stellten das Nationale Zentrum für Informationstechnologie und das Ministerium für Wissenschaft und Technologie außerdem die neueste Version des Linux basierten Betriebssystems Canaima vor. Die Version 3.0 des in Venezuela entwickelten Canaima GNU/Linux verbessert unter anderem die Grafikleistung des Systems sowie den Austausch mit externen Geräten, Telefonen und Festplatten. Außerdem wurde der Austausch mit sozialen Netzwerken wie identi.ca und dem twitter client Turpial vereinfacht. Für das System, das halbjährlich aktualisiert wird, stehen inzwischen etwa 100 in Venezuela entwickelte Programme bereit. Außerdem könne die Nutzer auf bis zu 30.000 Applikationen aus der weltweiten Linux-Community zugreifen.

Unterdessen protestierten Studenten und Netzaktivisten gegen einen geplanten Vertrag zwischen der öffentlichen Universidad de Los Andes (ULA) und dem Konzern Microsoft. Bei einem Treffen zwischen Universitätsleitung und Unternehmen war am 26. April ein Kooperationsvertrag vorbereitet worden.

Nach Plänen der Vizerektorin soll die ULA Lizenzvereinbarungen über ein breites Softwareangebot des Konzerns abschließen, darunter Projekte zur Berufsvorbereitung (Student to Business) und Unternehmensgründung (Imagines Cup).

Insgesamt 14 Gruppen von Hackern und Compteraktivisten protestieren gegen die Kommerzialisierung öffentlicher Unternehmen und fordern die zuständigen Stellen auf, die Unterzeichnung zu verhindern. Das Vertragswerk verstoße gegen das Prinzip des freien Zugangs zu Wissen, wie es durch die Verfassung garantiert wird, und unterlaufe die Vorgabe für öffentliche Institutionen auf freie Software umzustellen.

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