14. Mai 2011 | Brasilien | Umwelt | Wirtschaft

Luft wird dünner für ThyssenKrupp-Stahlwerk in Rio

Regierende distanzieren sich zunehmend. Anwohner und Fischer beharren auf Schließung des Megaprojektes in Brasilien

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Rio de Janeiro. Nachdem das Umweltministerium des Bundesstaates Rio de Janeiro die laufenden Erweiterungsarbeiten der dritten Kokerei am umstrittenen Stahlwerkkomplex CSA von ThyssenKrupp am Mittwoch wegen anhaltender Umweltbelastungen gestoppt hat, sehen sich die Anwohner und lokalen Fischer in ihrer Forderung nach einer vollständigen Schließung der Anlage gestärkt. "Entweder schließt das Umweltministerium die Anlage oder es muss wegen ungesetzlichen Handelns selbst geschlossen werden", sagte ein Anwohner gegenüber amerika21.de. "Umweltminister Carlos Minc und Bürgermeister Eduardo Paes scheinen endlich in der Realität angekommen zu sein", kommentiert per E-Mail einer der Fischer, dessen Fänge seit Beginn der Bauarbeiten des Stahlwerks um bis zu 80 Prozent zurückgegangen sind.

Der Umweltminister von Rio, Carlos Minc, hatte am Dienstag von "krassen Fehlern" in Planung, Betrieb und Durchführung seitens ThyssenKrupp gesprochen. Minc verlangte, dass der Konzern binnen Monatsfrist mit dem Bau der Einhausungsanlagen für die Notgruben für den Stahl zu beginnen habe, um ein weiteres Austreten von Staub zu verhindern. CSA müsse brasilianische Gesetze erfüllen oder es werde geschlossen. "Das Stahlwerk hat keine definitive Betriebsgenehmigung", so Minc. "Falls unseren Auflagen nicht entsprochen wird, wird es den Betrieb einstellen", bekäftigte Minc gegenüber der Zeitung Estado de São Paulo.

Auch der Bürgermeister von Rio de Janeiro, Eduardo Paes, hat sich nach jahrelanger Unterstützung des umstrittenen Stahlwerkkomplexes nun erstmals öffentlich von ThyssenKrupp distanziert. "Wenn ich damals, am Anfang des Entscheidungsprozesses, beteiligt gewesen wäre, hätte ich das wahrscheinlich nicht unterstützt", sagte der Konservative im April dieses Jahres. Der Bürgermeister der Sechs-Millionen-Stadt sagte, die Stadt habe durch das Stahlwerk nun mehr Probleme als zuvor, weswegen er grundsätzlich eine "Industrie ohne Schlote" bevorzuge.

Die massiven Umweltbelastungen in Lateinamerikas größtem Stahlwerk, das ThyssenKrupp gemeinsam mit der Minderheitsgesellschafterin Vale, dem zweitgrößten Bergbaukonzern der Welt, in Rio de Janeiro betreibt, bedecken die Häuser der Anwohner seit Betriebsbeginn Mitte vergangenen Jahres mit einer dicken Staubschicht aus Metalloxiden. Die Bewohner klagen über Atemwegserkrankungen und Hautreizungen. ThyssenKrupp spielte die Staubbelastungen herunter und betonte, der Staub sei "nur Graphit" und stelle keine Gesundheitsgefährdung dar.

Die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Rio de Janeiro sah dies gleichwohl anders und erhob Anfang Dezember vergangenen Jahres wegen massiver Umweltbelastungen Anklage gegen den deutschen Konzern sowie gegen zwei der projektverantwortlichen Manager. Letzteren drohen bei Verurteilung bis zu neunzehn Jahre Haft.

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