Kolumbien identifiziert Opfer des Krieges

In Kolumbien wurden Tausende Tote anonym beerdigt. Viele Leichen als Minderjährige identifiziert

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Bogotá. Kolumbiens Innenminister Germán Vargas Lleras hat Ende Mai Zahlen über den Prozess der Identifizierung von Personen bekannt gegeben, die im ganzen Land anonym in Massengräbern begraben wurden. Die Regierung habe in kurzer Zeit unter Mitwirkung des Innenministeriums, des Nationalen Instituts der Rechtsmedizin und des Einwohnermeldeamtes die Identität von 9.968 Leichen geklärt, sagte Vargas Lleras. Dabei sei man auch auf die Reste von mehr als viertausend Minderjährigen gestoßen.

Nach Angaben der Regierung konnten 12.724 weitere Leichen nicht identifiziert werden. In den offiziellen Registern erscheinen weitere 57.854 Personen als Verschwundene.

Der Repräsentant des Hochkommissariats der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Christian Salazar, hob in diesem Zusammenhang lobend hervor, dass Regelungen aus dem sogenannten Opfergesetz äußerst rasch umgesetzt worden sind. Das Gesetz steht nach Jahren der Blockaden durch rechtsgerichtete politische Kräfte kurz vor seiner Inkraftsetzung. Der Bestimmung zufolge wird unter anderem die Existenz eines "internen bewaffneten Konflikts" in Kolumbien anerkannt. Der bisherigen offiziellen Sprachregelung zufolge handelt es sich bei dem Jahrzehnte währenden Krieg um einen „"Kampf gegen den Terrorismus", also die Guerillaorganisationen.

Salazar empfahl der Regierung, die Streitkräfte des Landes bei der Identifizierung weiterer hunderter, vielleicht tausender Personen zu unterstützen. Viele dieser Opfer seien im Rahmen bewaffneter Auseinandersetzungen getötet und anonym bestattet worden. Weiter empfahl der UNO-Vertreter die Wiederaufnahme von Verfahren, welche die Militärjustiz des Landes geschlossen hat.

Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass in Kolumbien rund 2.000 arme Jugendliche, Marginalisierte, Studenten und Bauern durch Militärs ermordet und als Guerilleros ausgegeben wurden, um Prämien, mehr Urlaub oder Beförderungen für die Tötung von Rebellen zu erhalten. In Kolumbien ist diese Praxis als "falsos positivos" (etwa: falsche Feinde) bekannt geworden. Obwohl Militärangehörige in diesem Zusammenhang verurteilt wurden, wird die Praxis von Mitgliedern der Streitkräfte weiter angewendet, wie in lokalen Medien berichtet wird.

Die meisten auf diese Weise Ermordeten gab es während der Regierung des Ex-Präsidenten Álvaro Uribe. Der amtierende Präsident Juan Manuel Santos war in dieser Zeit Verteidigungsminister.

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