15. Jun 2011 | Peru | Politik

Humala holt Peru aus der Isolation

Designierter Präsident besucht fünf Staaten Südamerikas und kündigte weitere Reisen an. Politiker bricht mit "Pazifik-Modell"

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Lima/Santiago de Chile. Der designierte Präsident von Peru, Ollanta Humala, hat am Ende einer einwöchigen Reise durch Südamerika in Chile eine verstärkte Bündnispolitik angekündigt. "Wir müssen ein gemeinsames Lateinamerika schaffen, in dem wir gemeinsam die Probleme lösen", sagte der linksgerichtete Politiker. Dies sei wichtiger als ideologische Unterschiede.

Seit vergangenem Donnerstag hatte der Kandidat der progressiven Parteiallianz Gana Perú Brasilien, Paraguay, Uruguay, Argentinien und zuletzt Chile besucht. Vor seiner Amtseinführung am 28. Juli kündigte er weitere Reisen nach Bolivien, Kolumbien, Ecuador und Venezuela sowie in die USA an.

Humala begann seine erste Tour demonstrativ mit einem Besuch der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff, die ihm am Abend des 5. Juni als erstes Staatsoberhaupt telefonisch zum Sieg über die rechte Gegenkandidatin Keiko Fujimori gratuliert hatte. Er trat damit indirekt Vorwürfen entgegen, nach denen er vom Präsidenten Venezuela, Hugo Chávez, abhängig ist. Dies war im Wahlkampf immer wieder von gegnerischen Gruppierungen und Medien behauptet worden. So wurde unter anderem berichtet, dass Humala Gelder aus Venezuela erhalten hat. Solche Behauptungen waren mitunter ungeprüft auch von ausländischen Medien übernommen worden.

Während der Südamerika-Reise nun setzte sich der Druck fort. Nachdem Humala nach der Wahl seinen Kurs einer neuen Sozialpolitik bekräftigte, stürzte die Börse in Lima um mehr als zwölf Punkte ab. Beobachter sahen hinter den Wertverlusten Vorsatz, um den gewählten Präsidenten unter Druck zu setzen.

Der Politiker lies sich davon zunächst jedoch nicht beeindrucken. Wertschwankungen an der Börse seien in Zeiten des Umbruchs normal, sagte der Wahlsieger. Auch Kampagnen privater Medienkonzerne tat er ab: "Wir werden die Meinungsfreiheit verteidigen. Aber die vergangenen Wochen haben auch gezeigt, dass die Medien keinen Präsidenten inthronisieren können", sagte Humala: "Ich war eben kein Kandidat der Medien, sondern als Präsident werde alle repräsentieren."

Während sich im Inneren die Konflikte aus der Zeit vor der Wahl fortsetzen, stellt die neue Außenpolitik Humalas einen klaren Bruch mit der scheidenden Regierung von Alán García dar. Dieser hatte deutlich auf eine Allianz mit der neoliberalen Minderheit gesetzt und den Schulterschluss mit Kolumbien, Mexiko und Chile gesucht. Der Journalist César Lévano sah darin in einem Kommentar für die Tageszeitung La Primera einen Hauptunterschied zur bisherigen Linie Limas.

Tatsächlich ist neue Bündnispolitik Humalas auch ein Rückschlag für neoliberale Kräfte in den USA und der EU. Im Mai 2008 hatte die EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner auf einer Tagung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin die Stärkung des "pazifischen Modells" als eines der Hauptziele konservativer europäischer Außenpolitik angeführt. Diese von Alán García unterstützte Politik hatte Peru zuletzt bei regionalen politischen Initiativen erheblich isoliert.

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