1. Jul 2011 | Venezuela | Medien | Politik

Venezuelas Präsident Chávez hat Krebs

Staatschef nach Operation in Kuba auf den Weg der Besserung. Ansprache in TV und Radio. Vizepräsident bittet Opposition um Respekt

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Havanna/Caracas. Venezuelas Staatschef Hugo Chávez hat sich erstmals seit mehreren Wochen aus Kuba persönlich zu Wort gemeldet. In einer TV- und Radioansprache erklärte der Präsident, dass er sich in dem sozialistischen Karibikstaat einer Krebsoperation unterziehen musste. Chávez beendete damit zugleich Spekulationen über seinen Gesundheitszustand.

Besonders in der US-amerikanischen Presse und in venezolanischen Privatmedien waren zahlreiche Gerüchte über den Zustand des Staatschefs gestreut worden, nachdem Chávez von einer Reise nach Kuba am 5. Juni nicht zurückkehrte. Die Spekulationen waren durch das lange Schweigen der Regierungsspitze und zum Teil widersprüchliche Informationen begünstigt worden. So war zunächst von einer Knieoperation die Rede.

Oppositionelle Parteien hatten indes versucht, den Präsidenten wegen der ungewöhnlich langen Abwesenheit seines Amtes zu entbinden.

In der Ansprache aus Kuba erklärte Chávez nun, dass ihm – wie bereits bekannt – zunächst ein Geschwür im Beckenboden entfernt wurde. Bei dem operativen Eingriff dann sei ein maligner (bösartiger) Tumor entdeckt worden. "Es wurden einige zytochemische, mikrobiologische und Gewebeuntersuchungen vorgenommen", so Chávez. So sei die Tumorerkrankung festgestellt worden. Inzwischen sei das bösartige Geschwür vollständig entfernt worden.

In den vergangenen Wochen hatten regierungskritische Medien und Vertreter der Opposition immer wieder über eine Krebserkrankung des venezolanischen Präsidenten spekuliert. Eine US-Zeitung berichtete unter Berufung auf Quellen des US-Auslandsgeheimdienstes CIA über einen "ernsten Eingriff" in Kuba. Venezuelas Parlamentspräsident Fernando Soto und die Vorsitzende der Fraktion der Regierungspartei PSUV in der Nationalversammlung, Cilia Flores, hatten diesen Thesen wiederholt widersprochen. Bei ihren Stellungnahmen nach der Rede ließen beide Vertreter nun offen, ob sie selbst nichts von der Erkrankung wussten.

Unmittelbar nach der Ausstrahlung der Rede von Chávez trat am Donnerstagabend der Vizepräsident Elías Jaua im Beisein weiterer Kabinettsvertreter vor die Kamera, um die Regierungskräfte und Oppositionsparteien zur Einheit aufzurufen. Es gehe nun darum, laufende Initiativen wie ein Wohnungsbauprogramm und Agrarprojekte voranzutreiben, so Jaua. Die Oppositionsparteien bat Jaua angesichts der Erkrankung um Respekt für den erkrankten Staatschef. "Das ist alles, worum ich sie bitte", fügte der Vizepräsident an.

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