20. Jul 2011 | Chile | Politik

Gerichtsmediziner bestätigen Selbstmord Allendes

Internationale Kommission widerspricht ersten Aussagen, die eine Mordthese stützten. Familie des sozialistischen Politikers erleichtert

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Santiago de Chile. Ein internationales Expertenteam, das erstmals nach 38 Jahren die Todesursache des ehemaligen chilenischen Präsidenten Salvador Allende untersuchte, hat in seinem am Dienstag veröffentlichten Abschlussbericht die These vom Selbstmord des sozialistischen Politikers bestätigt. Demnach wurden zwei Kugeln aus seinem Sturmgewehr AK-47 abgefeuert. Eine dieser Kugeln sei in der untersuchten Leiche gefunden worden.

Der zur Expertengruppe gehörende spanische Mediziner Francisco Echeverría sagte in einer Pressekonferenz: "Wir können auf Grundlage vollständiger wissenschaftlicher Analyse versichern, dass es sich um einen Selbstmord handelt und darüber kein Zweifel mehr besteht."

Das Untersuchungsergebnis wurde im Beisein der Familie Allendes bekannt gegeben. Die Tochter des Ex-Präsidenten, Isabel Allende, erklärte öffentlich, dass das Ergebnis der Kommission die Familie beruhige. Die Familie habe schon immer an die Selbstmordversion geglaubt, die unter anderem sein Leibarzt bestätigte, der Allende kurz nach seinem Tod in dessen Büro fand, fügte die heutige sozialdemokratische Senatorin an.

Die Untersuchung von Allendes Tod wurde von Richter Mario Carroza angeordnet. Am 23. Mai wurden die Überreste Salvador Allendes exhumiert und der Gerichtsmedizin übergeben. Noch Anfang Juni hatte der uruguayische Forensiker Hugo Rodríguez Zweifel am Selbstmord gesät. Demnach sollte ein zweites Geschoss vor dem aus Allendes Sturmgewehr AK-47 in dessen Kopf abgefeuert worden sein.

Der britische Ballistiker David Prayer erklärte nun, warum sich Allende mit zwei Kugeln das Leben nehmen konnte. Sein Gewehr sei auf Dauerfeuer eingestellt gewesen und konnte im Schnitt zehn Schuss pro Sekunde abgeben. "Wir haben damit technische Sicherheit über eine Hypothese, die nie belegt worden ist", resümierte Chefanalytiker Patricio Bustos.

Der Rechtsanwalt der KP Chiles, Eduardo Contreras, sah die "Zweifel geklärt". Zugleich übte er Kritik an dem Widerstand der Familie gegen eine Untersuchung. Das Erbe des Anführers der Unidad Popular gehörte nicht nur den Hinterbliebenen, so Contreras, der das Ergebnis der Untersuchung interpretierte. "Die Würde von Präsident Salvador Allende war nie Teil der Diskussion", sagte der Kommunist, "dabei hat er sein Wort gehalten und sich den Verrätern nicht ergeben".

Salvador Allende kam am 11. September 1973 im Laufe eines Putsches ums Leben. Der Staatsstreich beendete den Versuch blutig, die chilenische Gesellschaft mit parlamentarischen Mitteln zu verändern. Nach dem Sturz der sozialistischen Regierung von Allende wurden nach Erkenntnissen einer nach dem Ende der Diktatur (1973-1990) eingesetzten Wahrheitskommission fast 3.200 Menschen ermordet. Allein am Tag des Putsches waren mehr als 2.100 Menschen aus politischen Gründen verhaftet worden.

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