26. Jul 2011 | Guatemala | Menschenrechte | Militär

Militärs in Guatemala erstmals vor Gericht

Prozessauftakt gegen Ex-Eliteeinheit wegen Bürgerkriegsverbrechen. Ermittlungen liefen 17 Jahre

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Guatemala-Stadt. Erstmals in der Geschichte Guatemalas müssen sich Ex-Militärangehörige wegen Verbrechen im Bürgerkrieg (1960-1996) vor einem Gericht verantworten. Nach einem über 17 Jahre verschleppten Ermittlungsverfahren gelang es den klagenden Familien und dem Nebenkläger, der "Vereinigung der Familien von Verhafteten und Verschwundenen Guatemalas" (Famdegua), Mitglieder einer Eliteeinheit der Streitkräfte für die Ermordung von 250 Menschen auf die Anklagebank zu bringen.

Gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE begrüßte die Famdegua-Vorsitzende Aura Elena Farfán den Prozessauftakt am heutigen Montag. "Über 250 Menschen wurden von diesen Soldaten umgebracht, wovon bis heute 223 Überreste aus Massengräbern gefunden werden konnten", so Farfán. 113 der Toten seien Minderjährige gewesen. Das Verfahren gegen die wegen des Massakers vom 7. Dezember 1982 angeklagten Ex-Militärs Oberleutnant Carlos Antonio Carías und die Ausbilder Manuel Pop, Reyes Collin und Daniel Martínez wurde im Hochsicherheitsgericht der von Guatemala-Stadt anberaumt.

Die vier Angeklagten waren Mitglieder der Eliteeinheit "Kaibil", eine Gruppe innerhalb der guatemaltekischen Streitkräfte mit spezieller Kampfausbildung. Ihre Hinrichtungen und Morde gegen die Zivilbevölkerung hatten "Kaibil" weltweit traurige Bekanntheit verschafft. Bisher seien jedoch nur sieben von 18 mutmaßliche Verantwortliche des Massakers in der Ortschaft Las Dos Erres in der Gemeinde La Libertad im nördlichen Departement Petén verhaftet worden, teilte Famdegua-Anwalt Edgar Pérez mit. Drei aus den USA ausgelieferte Ex-Kaibil-Mitglieder werden ebenfalls auf der Anklagebank Platz nehmen.

Das Massaker war während der De-facto-Regierung des Putschgenerals José Efraín Ríos Montt verübt worden. Ríos Mont gilt als geistiger Urheber der Tat, gegen ihn laufen in Guatemala und Spanien mehrere Verfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das Massaker von Las Dos Erres ist nur einer von 669 Fällen, die von der "Kommission für die historische Aufklärung" (CEH) im Bericht "Erinnerungen des Schweigens" von 1999 dokumentiert sind.

Guatemala arbeitet seine Vergangenheit derzeit verstärkt auf. Im Mai dieses Jahres hatte Guatemalas Präsident Álvaro Colom über 12.000 Archive der Militärs aus Bürgerkriegszeiten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Interessierte können nach Antrag Einblick in 99 Prozent der Militärakten erhalten, die im Verteidigungsministerium archiviert sind. Nur ein kleiner Teil wurde weiter als Militärgeheimnis eingestuft. Colom hatte die Öffnung der Archive als "Wendepunkt zu einer neuen Ära" bezeichnet, Angehörige von rund einer Viertel Million Bürgerkriegsopfer, darunter 45.000 "Verschwundene", erhielten die Möglichkeit zu erfahren, was mit ihren Verwandten passiert ist.

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