6. Aug 2011 | Costa Rica | Politik | Umwelt

Erdölmoratorium in Costa Rica in der Kritik

Staatsführung erlässt dreijährigen Stopp für Förderung. Umweltorganisationen beanstanden Regelung als ungenügend

DruckversionEinem Freund senden

San José. Costaricanische Umweltorganisationen und Politiker haben einhellig die Aufrichtigkeit eines staatlichen Verbots bei der Erdölförderung kritisiert, nachdem die Staatsführung unter Präsidentin Laura Chinchilla ein dreijähriges Moratorium verhängt hat. In einer gemeinsamen Erklärung verweisen die Kritiker auf den ungenügenden Umfang des Erlasses. Dieser beziehe sich ausschließlich auf die Ausbeutung von Erdöl und lasse die Erkundung der entsprechenden Vorräte unangetastet, so einer der Hauptkritikpunkte der Umweltschützer. Das dreijährige Moratorium hatte der neue costaricanische Energieminister René Castro an seinem ersten Amtstag bekanntgegeben.

Nicht betroffen vom Moratoriumsentscheid sind auch die Gasvorkommen des Landes; dies, obwohl Umweltexperten in der Vergangenheit wiederholt auf die verheerenden Treibhausgaseffekte bei der Förderung von Erdgas verwiesen haben. Die costaricanische Regierung hatte sich in der Vergangenheit bereits kritisch zur Erdölförderung geäußert, gleichzeitig aber immer wieder auf das Energiepotenzial im Zusammenhang mit den vorhandenen Gasvorkommen hingewiesen. Für den Ökoaktivisten David Rojas verrät der Moratoriumsentscheid deshalb nichts weiter als den "doppelten Diskurs" bei der staatlichen Umweltpolitik.

Unangetastet vom Verbot zur Förderung von Erdöl bleibt auch ein Großteil der Aktivitäten im Zusammenhang mit der Konzessionsvergabe an den US-Konzern Mallon Oil. Das Unternehmen hatte vor längerer Zeit den Zuschlag zur Ausbeutung beträchtlicher Öl- und Gasreserven im Norden des Landes erhalten und wartet seither auf die Unterzeichnung des entsprechenden Konzessionsvertrags. Ein neues Übereinkommen mit der Regierung könnte Mallon Oil die Ausbeutung der Gasvorkommen und sogar erste Bohrungen auf der Suche nach Erdöl erlauben.

Umweltminister René Castro hat gleich selbst darauf hingewiesen, das sich die Regierung die Möglichkeit einer künftigen Ölförderung nicht gänzlich verbauen will. "Angesichts der Rentabilitätsaussichten von Erdöl scheint eine Prüfung der vorhandenen Energiereserven sinnvoll", so Castro.

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: Erdöl

24. Apr | Venezuela | Wirtschaft

Venezuela gegen höhere Förderquoten der OPEC

Tokio. Der venezolanische Ölminister Rafael Ramírez hat am Dienstag in Tokio Widerstand gegen eine mögliche Erhöhung der Förderquoten der Organisation Erdölproduzierender Länder (OPEC) angekündigt. … weiter >

YPF-Streit: Tunnelblick in Basel

Steht Argentiniens Regierung bei der geplanten Verstaatlichung alleine? Eine kurze Gegenrecherche

Basel/Buenos Aires. "Ich mach' mir die Welt widdewiddewie sie mir gefällt", sang Pipi Langstrump in Astrid Lindgrens Kinderbüchern. Nach dem gleichen Prinzip berichtet Sandro Benini für die Basler Zeitung über die geplante Verstaatlichung des Energieunternehmens YPF in Argentinien. Die Maßnahme stoße "überall auf Ablehnung", weiß Benini aus Mexiko-Stadt, rund 7.400 Kilometer von Buenos Aires entfernt, zu berichten. … weiter >

Zustimmung für YPF-Verstaatlichung aus Lateinamerika

Homepage des YPF-Konzerns

Buenos Aires. Im Streit um die Verstaatlichung der Anteile des spanischen Energiemultis Repsol am argentinischen YPF-Konzern bekommt die Regierung von Cristina Fernández zunehmenden Zuspruch aus der Region. … weiter >