Bauernmorde in Honduras gehen weiter

Erneute Drohungen gegen organisierte Kleinbauern. Mehrere Aktivisten getötet. Internationale Kritik an Straflosigkeit in der Region

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Bajo Aguán, Honduras. In der Region Bajo Aguán im Norden von Honduras gehen die gezielten Morde gegen organisierte Kleinbauern weiter. So wurde Ende Juli der 45-jährige Julián Alvarenga García von Unbekannten erschossen und ein weiterer Bauernaktivist schwer verletzt. Damit steigt die Zahl der getöteten Landarbeiter zwischen Januar 2010 und Juli 2011 auf 35 an.

Julián Alvarenga García war Aktivist der Kleinbauernorganisation MUCA und Präsident der Bauernkooperative Isla Uno in der Siedlung Nueva Marañones. Zudem wurde sein Kollege Santos Dubón, Mitglied der gleichen Kooperative, schwer verletzt. Beide befanden sich mit dem Motorrad auf dem Weg zum Markt in Tocoa, als sie von Unbekannten aus einem Auto heraus beschossen wurden.

Nur eine Woche zuvor, am 16. Juli, wurden die Aktivisten Luis Alonzo Ortiz und Constantino Morales aus der gleichen Siedlung getötet. Somit wurden alleine in den letzten vier Monaten zwölf organisierte Kleinbauern ermordet.

Laut Wilfredo Paz, Regionalvertreter des landesweiten Demokratiebündnisses FNRP, erhielten führende Aktivisten aller 14 Bauernkooperativen des mittelamerikanischen Landes bereits Morddrohungen und schweben in ständiger Lebensgefahr.

Bauern- und Menschenrechtsorganisationen werfen den honduranischen Behörden eine Verschleppung der Aufklärung der Morde vor. Laut einem kürzlich erschienenen Abschlussbericht einer Mission verschiedener nationaler und internationaler Menschenrechtsorganisationen in Bajo Aguán gibt es bisher in Bezug auf die Mordfälle im Aguán-Tal noch keine einzige Verhaftung. In den meisten Fällen wurden bisher noch nicht einmal Ermittlungen aufgenommen. Neben der vorherrschenden Straffreiheit verweist der Bericht unter anderem auf die weiterhin stattfindenden gezielten Tötungen, Verfolgungen und Bedrohungen von Bauernaktivisten durch staatliche und private Sicherheitskräfte.

Aufgrund der erneuten internationalen Aufmerksamkeit verkündete der honduranische De-facto-Präsident Porfirio Lobo die Einrichtung einer staatlichen Kommission zur Beobachtung der Menschenrechtslage in der Region. Laut Vertretern der Demokratiebewegung ist dies jedoch nur ein weiterer Versuch, den Kampf der Bauernbewegung zu spalten. Es fehle der politische Wille, eine wirkliche Lösung des Agrarkonfliktes zu finden, kritisiert Wilfredo Paz.

Dies zeigt sich auch in der mangelnden Umsetzung eines bereits im März 2010 abgeschlossenen Vertrages mit der Bauernorganisation MUCA. Das Abkommen wurde seitens der Regierung und der Großgrundbesitzer nicht eingehalten. Stattdessen wurde die Region weiterhin stark militarisiert und Beobachter sprechen von einer offenen Zusammenarbeit zwischen staatlichen Sicherheitskräften und den paramilitärisch organisierten privaten Sicherheitsdiensten der Großgrundbesitzer, welche für eine Vielzahl der Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht werden.

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