11. Aug 2011 | Guatemala | Menschenrechte | Militär | Politik

Bahn frei für Ex-Militär in Guatemala

Guatemaltekisches Verfassungsgericht schließt Sandra Torres von Präsidentschaftswahlen aus. Otto Pérez als klarer Favorit

DruckversionEinem Freund senden

Guatemala-Stadt. Die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Guatemala finden ohne die Ex-Gattin des amtierenden Präsidenten Álvaro Colom statt. Das guatemaltekische Verfassungsgericht bestätigte in der Nacht auf Dienstag einstimmig das vorgängige Urteil der Wahlbehörde und des Obersten Gerichtshofs. Diese warfen Torres Verstoß gegen die Verfassung und Rechtsmissbrauch vor, als diese sich von ihrem Mann scheiden ließ, um am bevorstehenden Urnengang teilzunehmen.

Mit dem Ausschluss von Torres findet ein juristisches Hickhack ein Ende, das zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung den guatemaltekischen Wahlkampf bis jetzt prägte. Im Hintergrund hatte allerdings der Kandidat der konservativen Patriotischen Partei, Otto Pérez, in den letzten Wochen seinen Vorsprung in Wählerumfragen laufend vergrößert. So zweifelt inzwischen niemand mehr ernsthaft daran, dass dieser der künftige Präsident Guatemalas sein wird, auch wenn hierzu zwei Wahlgänge nötig sein sollten.

Die meisten Interessensgruppen und auch Vertreter der Zivilgesellschaft haben am Tag danach den Entscheid des Verfassungsgerichts gelobt und dessen Beitrag zur Stärkung der Glaubwürdigkeit staatlicher Institutionen hervorgehoben. Auch wenn diese Haltung rechtsstaatlich richtig sein mag, verheißt die wahrscheinliche Wahl eines Ex-Militärs für Guatemala nichts Gutes. Als Armeeoffizier groß geworden, wird Pérez von zivilgesellschaftlichen Organisationen mit Menschenrechtsverletzungen während des guatemaltekischen Bürgerkriegs in Verbindung gebracht.

Die mögliche Wahl von Pérez scheint paradox angesichts dessen zweifelhafter Vergangenheit. Allerdings wünschen sich viele Guatemalteken einen Kandidaten, der ein entschlossenes Vorgehen gegen die ausufernde Kriminalität im Land verspricht. Mit täglich 18 Tötungsdelikten gehört Guatemala zu den gewalttätigsten Ländern der Region. Pérez gilt in dieser Situation als Gewährsmann für eine "Politik der harten Hand". Zu den zentralen Punkten des Wahlprogramms der Patriotischen Partei gehören neben der Stärkung des Rechtsstaats auch die Bekämpfung des Organisierten Verbrechens und ein entschiedenes Vorgehen gegen die Bandenkriminalität.

Diese Politik dürfte zu einer weiteren Militarisierung des Landes beitragen. Auch weckt sie Befürchtungen bei den sozialen Bewegungen des Landes, welche sich bereits in der Vergangenheit mit staatlicher Repression konfrontiert sahen. Und nicht zuletzt ruft sie das Gespenst des Bürgerkriegs hervor, als das Militär dazu diente, jedwede Opposition radikal zu bekämpfen.

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: Wahlen + Militarisierung + Otto Pérez

18. Mai | Bahamas | Venezuela | Politik

Venezuela gratuliert neuer Linksregierung auf den Bahamas

Neuer Premier der Bahamas: Perry Christie

Caracas. Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat der neuen Regierung der Bahamas zum Sieg bei den Wahlen am 7. Mai gratuliert. Dabei war Perry Christie von der linksgerichteten Liberalen Fortschrittspartei (PLP) zum Premierminister gewählt worden. … weiter >

15. Mai | Haiti | Menschenrechte | Militär

Haitis Armee stellt sich wieder selbst auf

Siegerposen: Ende März marschierte die Phantomarmee durch Haitis Straßen

Ehemalige Militärs treten uniformiert in Städten auf und stellen politische Forderungen. Soll die Truppe wieder aufgebaut werden?

Port-au-Prince. In Haiti drängen Angehörige der 1994 aufgelösten Armee auf eine Neugründung der Truppe. … weiter >

Gewalt und Chaos regiert im Norden von Honduras

Gewaltsame Räumung einer Siedlung in Bajo Aguán

Steigende Aggressionen gegen Kleinbauern. Anstieg militärischer und paramilitärischer Aktivitäten in der Region Bajo Aguán

Tocoa/Bajo Aguán. Das lokale Menschenrechtszentrum OPIDHA in Bajo Aguán hat auf erneute schwere Menschenrechtsverletzungen und die weiterhin stark angespannte Situation in der  … weiter >