21. Aug 2011 | Peru | Menschenrechte | Militär | Politik

"Schlächter aus den Anden" vor Gericht

Ex-Militär Hurtado weist Beschuldigungen von sich. Peru beginnt mit Prozess Aufarbeitung des Staatsterrorismus

DruckversionEinem Freund senden

Lima. In Peru steht ein ehemals führender Militär wegen des Mordes an 69 Landarbeiterinnen und Landarbeitern im Jahr 1985 vor Gericht. Leutnant a.D. Telmo Hurtado wird vorgeworfen, den Massenmord im Zuge des Kampfes gegen die maoistische Guerillaorganisation Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) begangen zu haben. Das Massaker geschah während der ersten Amtszeit Alan Garcías (1985-1990). Hurtado wies zu Beginn des Prozesses in Lima Mitte der Woche alle Beschuldigungen zurück.

Staatsanwältin Karim Ninaquispe erklärte, Hurtado "zeigte sich weder einverstanden mit der Mordanklage noch mit der geforderten Strafe von 25 Jahren oder der Höhe der Entschädigungszahlung.“ Der Beschuldigte habe sich daher mit einer Hauptverhandlung einverstanden erklärt. Ninaquispe fügte hinzu, man müsse erst die Vernehmung Hurtados abwarten, um zu wissen, in wie weit er für das Massaker die Verantwortung übernimmt. Ehemals Untergebene des Militärs hatten Hurtado die Verantwortung für die Bluttat zugeschoben und erklärt, dass er die Befehle zur Ermordung der Landbewohner gegeben habe.

Das Verfahren gegen Hurtado war am 15. August in der Strafanstalt Castro Castro des Stadtbezirks San Juan de Lurigancho im Osten Limas begonnen worden. Die Anhörung dauerte eine halbe Stunde. Die nächste Anhörung des "Schlächters aus den Anden", wie er in lokalen Medien genannt wird, wurde um eine weitere Woche verschoben, da Hurtado bei den Aussagen der anderen Angeklagten und Zeugen nicht dabei sein wollte.

Nachdem die Verbrechen bekannt geworden waren, war Hurtado in den 1990er Jahren in die USA geflohen, wo er später von den US-amerikanischen Behörden auf ein Gesuch der peruanischen Regierung hin verhaftet wurde. Zehn Jahre lang saß Hurtado in den USA im Gefängnis, bis er diesen Juli nach Peru ausgeliefert wurde.

Am 14. August 1985 waren in dem Dorf Accomarca 69 Männer und Frauen von drei Patrouillen des peruanischen Militärs hingerichtet worden. Nach bisherigen Erkenntnissen trieben die Soldaten ihre zivilen Opfer in kleinen Häusern zusammen und warfen ihnen vor, die Gruppierung Sendero Luminoso zu unterstützen. Nachdem sie die Menschen in den Häusern eingeschlossen hatten, eröffneten die Soldaten das Feuer und zündeten Sprengsätze. Es hat 25 Jahre gedauert, bis der bereits zu den Akten gelegte Fall erneut aufgerollt wurde. Seit dem 4. November 2010 bis heute wurde 29 Ex-Militärs der Prozess gemacht.

Nach Angaben der peruanischen Wahrheitskommission aus dem Jahr 2003 hat der interne Konflikt, der Peru zwischen 1980 und 2000 überschattete, rund 70.000 Menschen das Leben gekostet.

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: Massaker + Repression + Guerilla

Brasilien untersucht seine Vergangenheit

Szene während des Staatsstreichs in Brasilien 1964

Wahrheitskommission soll binnen zwei Jahren Staatsverbrechen aus über vier Jahrzehnten aufarbeiten. Starke Widerstände aus der Armee

Brasília. Brasiliens Wahrheitskommission, die unter anderem die Verbrechen während der Militärdiktatur (1964-1985) untersuchen soll, ist offiziell eingerichtet. … weiter >

Chilenisches Gericht spricht Mapuche frei

Im Gerichtssaal

Santiago de Chile. Ein Gericht im chilenischen Angol hat sieben Mitglieder der Mapuche-Volksgruppe aus Chequenco von den Vorwürfen freigesprochen, vor zwei Jahren einen Bombenanschlag auf ein Fahrzeug eines Forstunternehmens begangen zu haben. Das Fahrzeug war am 14. Juli 2010 von Unbekannten angegriffen worden. … weiter >

11. Mai | Peru | Militär | Politik

Verteidigungs- und Innenminister in Peru zurückgetreten

Artikel bei Telesur

Lima. Die Minister für Verteidigung und Inneres in Peru haben mit ihren Rücktritten auf massive Kritik von Medien und Menschenrechtsorganisationen reagiert. Alberto Otárola und Daniel Lozada werden schwere Fehler beim Kampf gegen die maoistische Guerillaorganisation Leuchtender Pfad und die Drogenkartelle des Landes vorgeworfen. … weiter >