25. Aug 2011 | Venezuela | Medien | Menschenrechte | Politik

Publikationsverbot für sexistische Fotomontage

Gericht in Venezuela schließt vorerst Wochenzeitung "6to Poder". Editorial hatte staatliche Funktionärinnen ausdrücklich als Prostituierte dargestellt

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Caracas. Nach drei Tagen in Haft wurde die Herausgeberin der venezolanischen Wochenzeitung "6to Poder" (Sechste Macht), Dinorah Girón am Mittwoch dieser Woche wieder auf freien Fuß gesetzt. Am Samstag hatte der neunte Strafgerichtshof des Regierungsbezirks Caracas Gíron in erster Instanz wegen Diffamierung, Verunglimpfung und Verbreitung von Ressentiments verurteilt und gleichzeitig die Veröffentlichung von "6to Poder" bis auf Weiteres untersagt. Gegenstand der Anklage war eine vergangene Woche erschienene Titelseite der Wochenzeitung (siehe Foto), auf der unter anderen die Präsidentin des Obersten Gerichtshof, Luisa Estella Morales, die Oberstaatsanwältin Luisa Ortega Díaz und die Leiterin des Nationalen Wahlrates Tibisay Lucena in einer Fotomontage als Cancantänzerinnen dargestellt wurden.

Überschrieben mit dem Titel "Die Mächtigen der schönen Revolution" (siehe Anhang) hieß es: "Damen mit ihren wunderbaren Vorzügen tanzen, singen und strahlen auf der Bühne in der Blüte ihrer Weiblichkeit. (...) Die Mächtigen empfangen die Anwesenden des gut besuchten, einzigartigen und multiethnischen Orts, und bieten zu sozialistischen Preisen die besten Angebote eines jeden Nachtclubs".

Noch vor der Entscheidung des Strafgerichts in Caracas hatte die Veröffentlichung der Wochenzeitung zu Protesten von Teilen der venezolanischen Frauenbewegung geführt. Auch die in der Fotomontage karikierten Funktionärinnen zeigten sich empört über die Veröffentlichung. Ombudsfrau Gabriela Ramírez nannte den Artikel "einen gewaltsamen Angriff auf die Würde aller Frauen". Die ebenso abgebildete Vizepräsidentin der Nationalversammlung, Blanca Eeckout, verurteilte "eine Aggression, die versucht unser Land wie ein Bordell darzustellen". Die Präsidentin des Obersten Gerichtshof, Luisa Estella Morales, hatte bereits zu Beginn der Woche weitere juristische Schritte gegen die Zeitung gefordert.

Der Chefredakteur von "6to Poder", Leocenis García, verteidigte das Editorial seiner Zeitung hingegen als "humoristisch" und kommentierte das Gerichtsurteil als "eine große Gefahr, die sich über Demokratie ausbreitet". An Präsident Hugo Chávez gewandt sagte er, dass "seit heute die Welt weiß, dass Sie ein Diktator sind". Die als Zusammenschluss von Privatmedien des amerikanischen Kontinents bestehende Organisation "Sociedad Interamericana de Prensa" (SIP) verurteilte die Festnahme der Herausgeberin von "6to Poder" als "erneute Verschärfung des Regimes von Präsident Chávez gegen die Pressefreiheit".

Die venezolanische Opposition forderte unterdessen geschlossen die Freilassung von Dinorah Girón. Hinsichtlich des Verfahrens gegen die Wochenzeitung gab es jedoch unterschiedliche Meinungen. Der Vorsitzende der Mitte-Links-Partei MAS, José Antonio España, bestätigte vor der Nationalversammlung die Einschätzung seiner Parlamentskollegin Desirée Santos Amaral, dass es sich bei dem veröffentlichten Artikel um eine "ekelhafte Arbeit" handele. Auch wenn er mit einem juristischen Verfahren gegen die Zeitung einverstanden sei, so España, so müssten jedoch für alle Medien die gleichen Maßstäbe gelten.

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