10. Sep 2011 | Honduras | Militär | Politik

Ist Vertrauter Porfirio Lobos ein Drogenboss?

Wikileaks und Lateinamerika: Depesche aus dem Jahr 2006 berichtet über Drogengeschäfte des Großgrundbesitzers Miguel Facussé

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Tegucigalpa. Die US-Regierung und Washingtoner Diplomaten in Honduras hatten offenbar schon vor Jahren Hinweise auf enge Verbindungen des Großgrundbesitzer Miguel Facussé mit Drogenbanden. Das geht aus einer Depesche hervor, die die US-Botschaft in der Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes, Tegucigalpa, am 19. März 2004 an das US-Außenministerium sandte und die nun von dem Enthüllungsportal Wikileaks veröffentlicht wurde. Demnach war am Vortag, den 18. März 2004, ein zweimotoriges Flugzeug mit einer Tonne Kokain aus Kolumbien auf dem Besitz Facussés gelandet.

Facussé ist einer der mächtigsten Männer in Honduras und ein enger Vertrauter der amtierenden De-facto-Regierung unter Führung des Unternehmers Porfirio Lobo. Facussé gehört auch zu den Unterstützern eines Staatsstreichs gegen die letzte demokratisch gewählte Regierung des liberalen Politikers Manuel Zelaya, der Ende Juni 2009 gestürzt wurde. Der Putsch und seine Befürworter wurden unter anderem von der deutschen, FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung gerechtfertigt.

Nach Angaben der US-Diplomaten hatte Facussé den Drogentransport mit einer Meldung an die Polizei zu tarnen versucht. Demnach meldete er den Abschuss des Kleinflugzeuges durch seine paramilitärischen Einheiten. Diese hätten das Flugzeug ins Visier genommen, als es auf dem Besitz Facussés im Norden von Honduras zu landen versuchte, heißt es in der Depesche mit der Kodierung 04TEGUCIGALPA672. Tatsächlich sei das Flugzeug auf Facussés Besitz gelandet und die Ladung von 30 schwerbewaffneten Milizionären entladen und in einem Konvoi weggeschafft worden. Die Botschaft stützt sich unter anderem auf Informationen des Militärgeheimdienstes des Südkommandos der US-Armee sowie honduranische Polizeiquellen. Es sei das dritte Mal in 15 Monaten gewesen, dass der mächtige Großgrundbesitzer in Kontakt mit Drogenhändlern stand, berichten die US-Diplomaten.

Das spanische Internetportal kaosenlared.net sieht die Veröffentlichung als weiteren Beweis für die Verbindung der honduranischen Oligarchie zu kriminellen Strukturen. Derzeit steht Miguel Facussé als einer der wirtschaftlich mächtigsten Männer zudem im Verdacht, für die Ermordung mehrerer Landarbeiter verantwortlich zu sein. Und er ist einer der engsten Verbündeten des De-facto-Präsidenten Porfirio Lobo, der unter anderem von der Naumann-Stiftung unterstützt wird.

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