15. Okt 2011 | Honduras | Menschenrechte

Landkonflikt in Bajo Aguán bleibt ohne Lösung

Erneuter Mord an Kleinbauer in honduranischer Krisenregion. Weitere Eskalation des Landkonfliktes durch Militäroperationen

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Bajo Aguán, Honduras. In der Krisenregion Bajo Aguán im Norden von Honduras wurde am Morgen des 11. Oktober erneut ein Kleinbauer ermordet. Der 33jährige Santos Seferino Zelaya Ruiz war Mitglied der Kooperative Flores del Aguán in der Ansiedlung La Aurora und Aktivist der Bauernorganisation MUCA (Movimiento Campesino Unificado del Aguán). Laut den Aussagen mehrerer Zeugen arbeiteten einige Mitglieder der Kooperative auf ihren Palmen-Anpflanzungen als sie von sechs maskierten Sicherheitskräften der Finca San Isidro beschossen wurden. Die Finca San Isidro befindet sich im Besitz des Agrarunternehmers Miguel Facusse und grenzt an die Anpflanzungen der Kooperative. Bereits am 5. Oktober wurden ebenfalls in der Nähe der Finca San Isidro zwei führende Aktivisten der Ansiedlung La Aurora von Unbekannten beschossen und dabei lebensgefährlich verletzt.

Im ungelösten Landkonflikt von Bajo Aguán zwischen Bauernorganisationen und Großgrundbesitzern wurden seit Januar 2010 mehr als 40 Bauernaktivisten ermordet. Mitte August entsandte die Regierung erneut tausend Polizei- und Militäreinheiten in die schon stark militarisierte Region um, nach Aussage von Regierungsvertretern, den Frieden in der Region zu sichern. Der Wille der Regierung Porfirio Lobos zu einer politischen Lösung des Landkonfliktes ist jedoch weiterhin nicht erkennbar. Ein Abkommen zwischen dem Präsidenten und Vertretern der Bauernorganisationen, welches im April 2010 unterzeichnet wurde, wurde von Seiten der Regierung noch nicht erfüllt. Vertreter der Bauernorganisationen machen neben den privaten Sicherheitskräften der Großgrundbesitzer die staatlichen Sicherheitskräfte für eine Vielzahl der begangenen Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. So veröffentlichten Menschenrechtsorganisationen vor wenigen Tagen eine Aussage des Kleinbauern Walter Sabillón aus dem Dorf Rigores, welcher am 6. Oktober von Militäreinheiten entführt und 14 Stunden lang auf einem Militärgelände in der Stadt Tocoa bedroht und gefoltert wurde.

Aufgrund der äußerst besorgniserregenden Situation in Bajo Aguán ruft die Menschenrechtsorganisation FIAN International zu der Teilnahme an einer Eilaktion auf. In einer Erklärung weist die Organisation auf die Situation der Bauerngemeinschaften in der Region hin, welche "völlig wehr- und schutzlos sind angesichts der Repression und der unterlassenen Schutzmaßnahmen der Behörden." In der Briefaktion an die honduranische Sonderstaatsanwältin für Menschenrechte, Sandra Ponce, wird unter anderem die unverzügliche Untersuchung der Morde, das Ende der Repression gegen Bauernaktivisten und eine politische Lösung des Landkonflikts gefordert.

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