9. Jan 2012 | Kolumbien | Soziale Bewegungen

Kolumbien: Kampf gegen Megaprojekt in Huila

Bevölkerung will den Bau eines privaten Staudamms stoppen. Regierung unterstützt Konzern

DruckversionEinem Freund senden

Gigante, Kolumbien. Über 1.000 Einwohner des südlichen Bundestaats Huila in Kolumbien streiken seit vergangenen Dienstag gegen den Bau des Staudamms El Quimbo. Das Wasserkraftwerk ist eines der größten Megaprojekte, das sich zur Zeit in Kolumbien in Konstruktion befindet. Es wird durch den spanischen Konzern Emgesa gebaut. Die Vereinigung der Einwohner von Asoquimbo prangert an, dass die vorgesehene Flutung von 8.500 Hektar Ackerland und Naturreservaten das Ökosystem und die Überlebensmöglichkeiten von tausenden Bauern und Fischern vernichte.

Die Bauern befürchten, dass durch den Bau von El Quimbo 10.000 Menschen vertrieben werden können. Damit würde die lokale Lebensmittelproduktion im Wert von 32 Milliarden Pesos (etwa 13 Millionen Euro) pro Jahr vernichtet, so der Universitätsdozent Miller Dussán. Ein Teil davon wird zur Zeit von acht gemeinschaftlichen Unternehmen produziert, die während der Landkämpfe der Bauern in den siebziger und achtziger Jahren gegründet wurden.

Auch die kommunalen Wege, die die Gemeinden verbinden, würden verschwinden. Die Brücke Paso el Colegio wurde bereits durch Emgesa zerstört. Deshalb besteht zu den westlichen Gemeindebezirken Huilas aktuell über Land keine Verbindung. Da dies die lokale Ökonomie erheblich beeinträchtigt, fordert Asoquimbo ihren sofortigen Wiederaufbau.

Seit 2009 seien die Bauern durch die Androhung von Enteignungen genötigt worden, ihre Ländereien an Emgesa zu verkaufen, so Dussán. Die spanische Firma agierte dabei mit Unterstützung der Regierung Uribe. Diese hatte dem spanischen Unternehmen im Jahr 2009 die Lizenz erteilt, um das Wasserkraftwerk zu bauen. Dazu gehörte, dass die Gebiete als gemeinnützig erklärt wurden. Somit wurde der Staat bemächtigt, über das Territorium frei zu verfügen.

Nach intensiven Protesten der Einwohner hatte das Umweltministerium im Juni 2011 angeordnet, dass Emgesa mit dem Grundstückskauf in der Region aufhören musste. Fünf Monate später hat die Regierung Santos diese Verordnung jedoch wieder aufgehoben.

Laut dem Präsident von Emgesa, Pablo Rubio, hat sein Unternehmen schon 7.000 Hektar Land gekauft. Asoquimbo erklärt dennoch, dass es keinen seriösen Plan gebe, um die Grundbesitzer umzusiedeln. Die Bauern dürften zwar auf ihren ehemaligen Ländereien bleiben, aber nur mit einem Leihvertrag. Die Einschränkungen und Pflichten dieser Verträge wandelten sie allerdings in eine Art von Wächtern der Landstücke. Zum Beispiel dürften sie nicht frei entscheiden, was sie anbauen, so Asoquimbo.

Die Vereinigung der Einwohner verlangt von der Regierung, die Lizenz von Emgesa aufzuheben. "Die Kolumbianer haben kaum einen Nutzen von El Quimbo, denn der Strom wird meistens nach Süd- und Mittelamerika exportiert", versichert der Gemeinderat des Bezirks Gigante Rolando Botello.

Über den Abbruch des Staudammbaus hinaus will Asoquimbo das Gebiet als bäuerliche Schutzzone konstituieren. Diese gesetzliche Figur gewährt den Einwohnern eines Territoriums rechtlichen Schutz und ermöglicht ihre Selbstbestimmung auch hinsichtlich der lokalen Landwirtschaft. Dazu haben sich die nationalen Behörden bisher nicht geäußert.

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren täglichen oder wöchtenlichen E-Mail-Newsletter » jetzt eintragen

Ähnliche Inhalte: Energie + Widerstand + Wasser + Megaprojekt

Proteste gegen Ausnahmezustand in Guatemala

Gewalterfahrung mit Armee und Polizei wurden in Guatemala auch in wandbildern ve

Anwohner fordern Abzug von Polizei und Militär. Bewohner flüchten aus Angst vor Repression über die Grenze nach Mexiko. Eskalation nach Mordanschlag

Guatemala-Stadt. Organisationen von Landarbeitern und Mitgliedern der Volksgruppe der Maya in Guatemala fordern von der Regierung, den Anfang des Monats verhängten … weiter >

Deutsche Kohleimporte aus Kolumbien in der Kritik

Menschenrechtsanwalt Alirio Uribe in Berlin

Kolumbianische Menschenrechtler informieren in Deutschland über Menschenrechtsverletzungen bei der Förderung von Steinkohle in Kolumbien

Berlin. Vertreter des kolumbianischen Anwaltskollektivs José Alvear Restrepo (CAJAR) und der Indigenenorganisation "Kraft der Frauen der Wayúu" haben bei ihrer Europareise  … weiter >

YPF-Streit: Tunnelblick in Basel

Steht Argentiniens Regierung bei der geplanten Verstaatlichung alleine? Eine kurze Gegenrecherche

Basel/Buenos Aires. "Ich mach' mir die Welt widdewiddewie sie mir gefällt", sang Pipi Langstrump in Astrid Lindgrens Kinderbüchern. Nach dem gleichen Prinzip berichtet Sandro Benini für die Basler Zeitung über die geplante Verstaatlichung des Energieunternehmens YPF in Argentinien. Die Maßnahme stoße "überall auf Ablehnung", weiß Benini aus Mexiko-Stadt, rund 7.400 Kilometer von Buenos Aires entfernt, zu berichten. … weiter >