2. Mär 2012 | Brasilien | Umwelt

Erneute Klagen gegen BASF und Shell in Brasilien

Ex-Arbeiter klagen erneut gegen Konzerne wegen Erkrankungen durch Pestizidproduktion. BASF macht Shell allein verantwortlich

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Brasília. Ehemalige Angestellte einer Pflanzenschutzmittelfabrik im brasilianischen Paulínia haben erneut Klage gegen BASF und Shell eingereicht. Die Unternehmen sind die vormaligen Eigentümer des Werks, das 2011 wegen Umweltverseuchung verurteilt wurde und seit zehn Jahren still steht. Die ehemaligen Arbeiter der Fabrik werden von Krankheiten geplagt. Sie fordern nun vor Gericht die Umsetzung eines Urteils aus dem vergangenen Jahr, nach dem BASF und Shell die Kosten für die medizinische Behandlung aller Betroffenen zu tragen hat. Mit der neuen Klage fordern die Betroffenen eine Strafe von 100.000 Reais (umgerechnet rund 43.000 Euro) für jeden weiteren Tag, an dem das Urteil nicht umgesetzt wird. Zudem sollen die Unternehmen nach Ansicht der Kläger 1.500 Reais (umgerechnet rund 650 Euro) an Medizinkosten pro Monat an jeden betroffenen Ex-Arbeiter zahlen, berichtet die Tageszeitung Globo.

Unterdessen berichtete das Handelsblatt am gestrigen Donnerstag, dass BASF Shell in Brasilien wegen der Umweltschäden des Werks Paulínia verklagt habe. Laut Handelsblatt soll das Gericht feststellen, dass Shell sämtliche Schäden zu ersetzen habe, die auf die Verseuchung am Standort zurückzuführen sind.

Im vergangenen Jahr war der deutsche Chemiekonzern BASF zusammen mit dem Erdölkonzern Shell von einem brasilianischen Arbeitsgericht im Bundesstaat São Paulo in dritter Instanz zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 1,1 Milliarden Reais (umgerechnet 480 Millionen Euro) verurteilt worden. Das Gericht hatte damit das Urteil aus erster Instanz vom August 2010 bestätigt. Dieses hatte Entschädigungen in Höhe von 64.500 Reais an jeden der über 1.000 ehemaligen Mitarbeiter sowie an deren Nachkommen vorgesehen sowie die Zahlung von 622 Millionen Reais in einen Arbeiterschutzfonds. BASF strebt weiterhin eine Revision des Urteils an.

Die ehemalige Pestizidfabrik in Paulínia (117 km von São Paulo entfernt) gehörte in den 1970er Jahren zu Shell. Damals waren Arbeiter und Anwohner durch das Grundwasser verseucht worden, das mit mit krebserregenden Stoffen durchsetzt war. Laut der Organisation der Betroffenen Astec sind durch die Verseuchung bereits mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Arbeiter kam es zu Fällen von Krebs, Herz-und-Kreislauf- sowie weiteren Krankheiten und Todesfällen. BASF hatte die Firma später übernommen, bevor sie im Jahr 2002 stillgelegt wurde.

In dem Prozess gegen BASF/Shell wurde von Fachleuten dargelegt, dass die im Erdreich neben anderen vorgefundenen Werte des Pestizids Aldrin die Richtwerte um das 860-fache überstiegen. Aldrin ist ein Insektizid, das gegen Termiten oder Heuschrecken eingesetzt wurde. Seit 2004 ist es weltweit verboten.

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