2. Nov 2012 | Brasilien | Umwelt | Wirtschaft

Erneut Staubregen durch ThyssenKrupp-Werk in Rio

Umweltbehörden verhängen neue Millionenstrafe. Werk hat noch immer keine endgültige Betriebsgenehmigung

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Rio de Janeiro. In dem umstrittenen Stahlwerk TKCSA von ThyssenKrupp in Rio de Janeiro ist es Anfang dieser Woche erneut zu einem massiven Ausbruch von silberfarbigem Staub gekommen, der auf die angrenzenden Häuser der dortigen Bewohner niederregnete. Techniker des Umweltamtes INEA wurden am Mittwoch zu Untersuchungen geschickt, um den Beschwerden der Anwohner nachzugehen. Am Donnerstag Mittag (Ortszeit) verhängte die Umweltbehörde über das ThyssenKrupp-Stahlwerk ein Strafgeld in Höhe von 10,5 Millionen Reais (umgerechnet knapp vier Millionen Euro). Der Umweltminister von Rio de Janeiro, Carlos Minc, erklärte: "Meine Geduld ist am Ende". Es sei nicht das erste Mal, dass die Firma solchen Pfusch treibe, so der Umweltminister. "Jetzt haben sie die zweite gelbe Karte erhalten. Die nächste ist der Platzverweis", erklärte Minc in klarer Anspielung auf eine drohende Schliessung des Werks.

Die Präsidentin des Umweltamtes INEA, Marilene Ramos, erklärte, dass die Staubpartikel die Gesundheitsprobleme bei den Anwohnern verschlimmern können. "Es handelt sich um sehr feinen Staub, der sich absetzt, in die Häuser der Menschen eindringt, Dreck mitbringt, und die Menschen berichten von Haut- und Atembeschwerden", so Ramos. Die Firmenleitung von ThyssenKrupp erklärte zu dem Vorfall gegenüber brasilianischen Medien, dass mit der gegenwärtig herrschenden Trockenheit und an den anhaltenden Windböen die Bewässerungseinrichtung "nicht ausreichend war, um das Freisetzen der Partikel zu verhindern".

Dies ist nicht das erste Mal, dass metallischer Staub auf die Anwohner des Stahlwerks im Ortsteil Santa Cruz, Rio de Janeiro, niederregnet. Kurz nach Betriebsaufnahme von Lateinamerikas größtem Stahlwerk im Juni 2010 und zu Weihnachten 2010 war es zu Staubausbrüchen gekommen. Die Bewohner klagen seither über Atemwegserkrankungen und Hautreizungen. ThyssenKrupp spielte die Staubbelastungen herunter und betonte wiederholt, der Staub sei "nur Graphit" und stelle keine Gesundheitsgefährdung dar. Im Oktober 2011 jedoch stellten Forscher der dem Gesundheitsministerium unterstellten Stiftung Fundação Oswaldo Cruz (FIOCRUZ) ihre Studienergebnisse zu den Staubproben vor. Dieser weise entgegen der Beteuerung des deutschen Stahlkochers auch giftige Schwermetalle auf, so die Wissenschaftler von FIOCRUZ. Demnach enthalte der Staub nicht wie von ThyssenKrupp wiederholt behauptet "nur Graphit", sondern auch "Eisen, Kalzium, Mangan, Silizium, Schwefel, Aluminium, Zinn, Titan, Zink und Kadmium".

Auch die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Rio de Janeiro wollte dem Treiben der Deutschen nicht länger tatenlos zusehen und erhob Anfang Dezember 2010 wegen massiver Umweltbelastungen Anklage gegen das Stahlwerk sowie gegen zwei der projektverantwortlichen Manager. Letzteren drohen bei Verurteilung bis zu neunzehn Jahre Haft. Im Mai 2011 hatte der Umweltminister von Rio de Janeiro, Carlos Minc, unmißverständlich klargestellt, dass der Konzern ein weiteres Austreten von Staub zu verhindern habe. TKCSA müsse brasilianische Gesetze erfüllen oder, so Minc, "es wird geschlossen".

Wegen der anhaltenen Umweltbelastungen hat das ThyssenKrupp-Stahlwerk bis heute noch keine endgültige Betriebsgenehmigung von den Behörden erhalten. Im April 2012 hatte die Firmenleitung mit den Umweltbehörden von Rio ein Abkommen über die Durchführungsbestimmungen für das Werk geschlossen, um die Umweltbelastungen einzustellen. Ob es ThyssenKrupp angesichts der erneuten Probleme mit dem Stahlwerk gelingt, für das umstrittene und defizitäre Stahlwerk wie geplant bis Ende des Jahres einen Käufer zu finden, ist äußerst zweifelhaft.

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