27. Apr 2008 | Österreich | Venezuela | Wirtschaft

Wien kooperiert mit Caracas

Venezolanische Delegation in Österreich zu Gast. Ausbau der Zusammenarbeit bekräftigt

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Wien. Die österreichische Staatssekretärin Christa Kranzl ist zufrieden: Venezuela zeigt großes Interesse an Technologie aus dem Alpenstaat, die Zusammenarbeit soll vor allem in den Bereichen Transport und Energie enger werden. Darauf einigten sich Delegationen aus beiden Ländern in der vergangenen Woche in Wien. Die Initiative für das erste Treffen einer gemeinsamen Kommission für wirtschaftliche Zusammenarbeit stammte aus Österreich, nachdem eine Delegation im Oktober vergangenen Jahres in Caracas war.

Österreich verspricht sich durch die bilateralen Kontakte einen Wettbewerbsvorteil für die einheimische Wirtschaft. Dabei sind sie wesentlich weiter als Deutschland: In Berlin ist man von der Aufnahme bilateraler Verhandlungen auf höherer Ebene weit entfernt. Die Österreicher möchten bei anstehenden umfangreichen Infrastrukturprojekten in Venezuela, wie dem Aufbau eines Eisenbahnnetzes, jedoch mitverdienen. Im Gegenzug bietet der Alpenstaat Wissenstransfer im Rahmen von Joint-Ventures mit dem venezolanischen Staat.

Besonders interessiert sind die Südamerikaner an den Kompetenzen der Österreicher beim Gleisbau, dem Aufbau von Seilbahnen sowie im Bereich der Wasserkraft. Die Basis der Kooperation ist das "Rahmenabkommen über die Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Handel, Umwelt, Industrie und Technologie", das während des Österreich-Besuches des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez im Jahr 2006 unterzeichnet wurde.

In der venezolanischen Hauptstadt Caracas wird bereits eine Seilbahn im Wert von rund zwölf Millionen Euro von der österreichischen Firma Doppelmayr aufgebaut. Das Pilotprojekt "Metrocable" in dem am Hang gelegenen und dichtbebauten Hauptstadtviertel San Augustin soll den ärmeren Bewohnern als öffentliches Nahverkehrsmittel dienen. Die gut zwei Kilometer lange Seilbahn wird an das bestehende U-Bahn-System angebunden. Caracas hat den Kauf von über einem Dutzend solcher Bahnen in Aussicht gestellt, sollte sich das Konzept als erfolgreich erweisen. Durch den informellen Wachstum der Armenviertel an den steilen Hängen rings um die Stadt sind diese bisher oft nur schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Auch die Wohnungsbauprogramme der venezolanischen Regierung unterstützt Österreich mit Hightech-Knowhow: Der Werkzeugmaschinen-Hersteller Greiner liefert Maschinen und Wissen für die Herstellung von Komponenten zum Aufbau von Fertighäusern an die staatliche Firma Petrocasa. In Venezuela gibt es bisher eine Fabrik dieser Art, die Regierung beabsichtigt den Aufbau von mindestens vier weiteren. Ende März hatte Präsident Hugo Chávez feierlich die erste Siedlung aus 450 dieser Häuser eingeweiht. Ziel ist es, in den meisten Armenvierteln in ländlichen Regionen die bisherigen Baracken durch die kostengünstigen Häuser aus dem Kunststoff PVC zu ersetzen. Das "sozialistische Unternehmen" Petrocasa, eine Tochter des staatlichen Ölverarbeitungsunternehmens Pequiven, ist zudem Teil der Bestrebungen der Regierung des Ölstaates, mehr eigene Kunststoffproduktion aufzubauen.

Im Gegensatz zur deutschen Regierung zeigt Österreich somit keine Zurückhaltung bei der Zusammenarbeit mit dem südamerikanischen Land. Auch Frankreich und die Schweiz pflegen gute Beziehungen zu Venezuela. Zuletzt war der slowenische Präsident und derzeitiger Inhaber der EU-Ratspräsidentschaft, Danilo Türk, in Caracas zu Gast. Gemeinsam beschloss man den Ausbau der Beziehungen: Die Eröffnung einer venezolanischen Botschaft in Slowenien soll dazu den Grundstein legen. Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt dagegen andere Schwerpunkte. Sie reist im Vorfeld des EU-Lateinamerika-Gipfes in Peru demonstrativ nach Mexiko und Kolumbien und setzt damit ein Zeichen: Sie besucht gerade die Länder, deren Regierungen der Politik von Präsident Hugo Chávez in Venezuela ablehnend gegenüber stehen und sich außerdem an den USA orientieren.


Quellen:

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