20. Aug 2008 | Venezuela | Wirtschaft

Staatliche Mehrheit an Zementindustrie in Kraft

In Venezuela wird die angekündigte Verstaatlichung der Zementindustrie umgesetzt

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Caracas. In Venezuela kontrolliert der Staat ab heute die Mehrheit an den Zementunternehmen Lafarge und Holcim. Damit wird die im April dieses Jahres angekündigte Verstaatlichung der beiden europäischen Unternehmen umgesetzt.

Das staatliche Erdölunternehmen PdVSA übernahm 89 Prozent der Aktien des französischen Unternehmens Lafarge und weitere 85 Prozent der Aktien des Schweizer Unternehmens Holcim. "Durch die Verhandlungen bilden wir ab heute staatliche Gesellschaften mit den beiden Firmen. Dieses Ergebnis erreichten wir in einer freundschaftlichen Atmosphäre." erklärte der Vizepräsident von PdVSA, Ramón Carrizalez. Venezuela habe eine ähnliche Übereinkunft mit dem mexikanischen Unternehmen Cementos Mexicanos (Cemex) angestrebt. Leider hätten die Verhandlungen in diesem Fall zu keinem Ergebnis geführt.

Ramón Carrizalez erinnerte daran, dass Venezuela sich im Falle von Cemex eine Enteignung vorbehalte. Man habe dem Unternehmen 819 Millionen US Dollar angeboten, aber Cemex hat auf einem Preis von 1,3 Milliarden US Dollar für seine Produktionsanlagen in Venezuela bestanden. Am Montag besetzten Soldaten eine Cemex-Filiale in Maracaibo im westlichen Bundesland Zulia. Größere Zwischenfälle gab es laut Medien bei der Besetzungsaktion nicht.

In einer Presserklärung teilte der Präsident des venezolanischen Verbandes der Bauwirtschaft am Montag mit, dass die neue Gesellschaft die Versorgung mit Zement gewährleiste. Man gehe nicht davon aus, dass Probleme bei der Zementlieferung entstehen. "Wir gehen davon aus, dass auch die ausländischen Zementunternehmen im Land bleiben und kein Kapital abziehen." erklärte Fernando Azpúrua und verwies auf große bevorstehende Investitionen in der Baubranche.

Die venezolanische Regierung hatte die Verhandlungen mit den Zementunternehmen im April 2008 begonnen, um den Inlandsbedarf an Zement decken zu können. Geplant sind soziale Wohnungsbauprogramme in großem Umfang. Die Baukosten sollen durch die staatliche Binnenproduktion von Zement wesentlich gesenkt werden. Von privaten Unternehmen hätten die öffentlichen Auftraggeber den im Inland produzierten Zement zu Weltmarktpreisen abkaufen müssen.

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