11. Dez 2009 | Venezuela | Politik

"Stiller Putsch" gegen Chávez?

Student im Westen Venezuelas erschossen. Chávez-Gegner setzen ihre Hoffnungen offenbar auf militante Studierendenverbände

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Caracas. Der Tod eines 19jährigen Studenten bei Straßenschlachten zwischen Gegnern und Befürwortern der venezolanischen Regierung am vergangenen Dienstag ist der vorläufige tragische Höhepunkt von Protesten jugendlicher Regierungsgegner, die seit Anfang Dezember zunehmen. Diese werden zudem von großen Privatsendern wie Globovisión und RCTV durch gezielte Manipulation angeheizt.

Die Parlamentsabgeordnete Iris Varela nannte den Vorfall am Donnerstag Teil eines "stillen Staatsstreiches" gegen die Regierung von Präsident Hugo Chávez. Die Hintermänner des Putsch-Vorhabens hätten nur darauf gewartet, dass "während der derzeitigen Proteste jemand sein Leben verliert", so die aus der westlichen Grenzregion zu Kolumbien stammende Varela. Sie ist überzeugt, dass diese Verschwörung im Wesentlichen von der oppositionellen Regionalverwaltung im westlichen Bundesstaat Táchira und aus Kolumbien eingesickerten Paramilitärs getragen wird.

In San Cristóbal, der Provinzhaupt von Táchira, kam es zu dem tödlichen Zwischenfall. Der erschossene Jesús Eduardo Ramírez Bello studierte an der staatlichen aber autonomen Universidad Nacional Experimental del Táchira (UNET). Innenminister Tareck El Aissami beschuldigte die Regionalpolizei des Bundesstaates für den Vorfall verantwortlich zu sein. Diese habe die UNET-Studenten in Richtung von ebenfalls demonstrierenden studentischen Regierungsanhängern der UBV-Universität vordrängen lassen, indem sie ihre Polizeiketten öffnete. Die Kriminalpolizei schickte umgehend hochrangige Experten in die Region.

Rechte Studierendenverbände nutzten den aktuellen Todesfall unterdessen für weiteren Protest gegen die Regierung: in verschiedenen Landesteilen führten sie Straßenblockaden durch. Ihrer Meinung nach kamen die Mörder aus den Reihen der regierungsnahen Studenten. Der Direktor der UNET, José Vicente Sánchez, betonte allerdings, dass er sich nicht vorstellen könne, dass der Todesschütze ein UBV-Student gewesen sein könnte. "Offenbar gab es unter den Demonstranten eingeschleuste Gewalttäter", sagte er laut Medienberichten ohne seine Aussage weiter zu konkretisieren.

Seine Einschätzungen werden durch die Tatsache untermauert, dass der erschossene Student Mitglied in der chavistischen Regierungspartei PSUV war. Dies würden die oppositionellen Studierendenverbände und manche Privatmedien geflissentlich verschweigen. Sie hätten es schließlich darauf angelegt, die Regierung für den Vorfall verantwortlich machen, beklagte die Abgeordnete Varela.

Die Situation hatte sich bereits am vergangenen Montag zugespitzt, als militante Rechte, mutmaßlich Studenten der UNET, die nahe gelegene Universidad Bolivariana de Venezuela (UBV) in San Cristóbal angriffen und teilweise demolierten. Diese gehört zu einem neugegründeten Netzwerk von Hochschulen, an denen vor allem Menschen aus den Unterschichten ein Studium ermöglicht wird. Die sich während des Überfalls im Gebäude aufhaltende Dozentin Shayenska Martínez beklagte in einem lokalen Radiosender, dass Versuche, die oppositionell kontrollierte Regionalpolizei zu Hilfe zu rufen, erfolglos geblieben seien. Schlussendlich sicherte die Nationalgarde das Gebäude.

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