31. Mär 2009 | International | Venezuela | Politik

Chávez will eine multipolare Welt

Venezuelas Präsident startet seine Weltreise in Khatar

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Caracas/Doha. "Die neue Weltgeopolitik läuft an", sagte der Präsident der Bolivarianischen Republik Venezuela, Hugo Chávez, heute (31.3.2009) kurz nach seiner Ankunft um 2 Uhr morgens Ortszeit in Doha. Der Comandante der Bolivarianischen Revolution befindet sich in dem Emirat Khatar am Persischen Golf, um dort am II. Lateinamerikanisch-arabischen Gipfel teilzunehmen.

Auf dem Treffen, zu dem auch Boliviens Präsident Evo Morales erwartet wird, wollen die Venezolaner neue Allianzen in den Bereichen Kultur, Umwelt und Energie schließen. Entsprechende Foren laufen parallel zu den Sitzungen der Staatschefs. "Das zeigt, dass es die Möglichkeit einer Süd-Süd-Zusammenarbeit gibt", erklärte Boris Noriega, Geschäftsträger der venezolanischen Botschaft in Doha, im Vorfeld des Gipfels.

Bereits am Sonntag, in einem Interview mit dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera, das auch im venezolanischen Staatsfernsehen ausgestrahlt wurde, hatte Chávez seine Vorstellung einer multipolaren Welt dargelegt. Demnach sieht er den Doha-Gipfel als ein Treffen, das eine neue internationale Struktur hervorbringt. "Gerade in diesem Moment wird eine neue Welt geboren, fallen die Imperien, findet eine weltweite Krise des Kapitalismus statt, die den Planeten erschüttert. Davon reden wir schon seit über einem Jahrzehnt", erklärte Chávez und sagte weiter: "Diese Treffen sind sehr wichtig, um zu verdeutlichen, wie wir eine neue internationale Struktur bilden werden - die neue multipolare Welt - die die Hegemonie des Dollars beendet."

Letzteres ist auch Teil des venezolanischen Kontinentalpolitik, wo mit dem "Sucre" eine Einheitswährung für Lateinamerika entstehen soll. Damit unterstützt der venezolanische Präsident die Bemühungen Chinas und Russland den US-Dollar als Leitwährung abzulösen.

Nach dem Gipfel in Doha wird Chávez in den Iran weiterreisen. Die Islamische Republik gehört zu seinen "besten Freunden, weil sie beschloss, uns beim Erlangen unserer wirtschaftlichen Unabhängigkeit zu helfen." Dazu zählt Chávez unter anderem den Technologietransfer, mit dem die bolivarische Regierung eine eigene wirtschaftliche und industrielle Infrastruktur aufbauen will. In Teheran werden Chávez und sein Amtskollege Mahmud Ahmadineyad die erste iranisch-venezolanische Gemeinschaftsbank eröffnen. "Wir streben danach, dass aus ihr zu einem späteren Zeitpunkt die Internationale Ölbank werden wird", offenbarte der Präsident das strategische Ziel dieses Unternehmens in seiner wöchentlichen Zeitungskolumne, die noch vor seiner Abreise erschien. Angesichts des schwachen US-Dollars und den Bestrebungen Chinas, eine neue Leitwährung einzuführen, ist Chávez' Ankündigung ein neuer Affront gegenüber Washington und seinen Verbündeten.

Auch mit Blick auf Israel und dessen Kriegsverbrechen in Gaza fand der Comandante wieder einmal klare Worte: "Diese Nation (Israel, IN) muss in sich gehen und ihre Haltung als Elite des Genozids, die sich den USA unterordnet, überdenken", führte Chávez im Al Jazeera-Interview aus. Der Präsident hatte im Januar den israelischen Botschafter des Landes verwiesen, als Tel Aviv Gaza angriff. Daraufhin wies Israel auch die in Palästina tätigen venezolanischen Diplomaten aus.

Nach seinem Aufenthalt in Teheran wird Chávez nach China und Japan weiterreisen. In Tokio will er ein umfangreiches Abkommen im Energiesektor besiegeln. Mit Blick auf den von ihm verfolgten "Weg zum Sozialismus" soll die Weltreise, so Chávez, dazu beitragen, diesen zu festigen.

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