9. Mai 2009 | Venezuela | Politik | Wirtschaft

Befreiung des Maracaibo-Sees

Venezuela verstaatlicht Dienstleister der Ölindustrie im Bundesstaat Zulia. Ölpreis nähert sich wieder der 60 Dollar-Grenze

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Caracas. Seit heute beginnt die staatliche Übernahme von 60 privaten Firmen in der Ölindustrie Venezuelas. Nachdem die Nationalversammlung am Donnerstag ein neues Gesetz zum Umgang mit Rohstoffen verabschiedete, erklärte Präsident Hugo Chávez gestern bei einer Veranstaltung in Maracaibo, dass diese Unternehmen schon immer in öffentlichem Besitz hätten sein müssen. "Morgen beginnen wir den Kampf um die Befreiung des Maracaibo-Sees." An dem größten See Lateinamerikas liegen die größten Erdölvorkommen des Landes. Der dazu gehörige Bundesstaat Zulia wird von der Opposition regiert. Die rentablen Dienstleistungen des staatlichen Ölkonzerns PdVSA waren in den 1990er Jahren von den neoliberal orientierten Vorgängerregierungen an private Unternehmer übergeben worden.

Dem neuen Gesetz zufolge sollen unter anderem 300 Boote, 30 Schleppschiffe sowie 39 Ölterminale unter Staatskontrolle gebracht werden. Durch die Verstaatlichung kann die PdVSA etwa 700 Millionen Dollar pro Jahr einsparen, die bisher für Vereinbarungen mit privaten Unternehmen gezahlt werden müssen. Damit übernimmt die PdVSA ungefähr 8000 Beschäftigte in feste Verträge, die bisher zu deutlich schlechteren Bedingungen arbeiteten.

Seitdem die venezolanische Regierung im Februar einen Nachtragshaushalt verabschieden musste, um die Folgen der internationalen Finanzkrise abzufangen, wurden mehrere größere Rationalisierungsvorhaben verabschiedet. Die Kürzungen sollen nach dem Willen der sozialistischen Regierung nicht die Unterschichten treffen. Besonders der plötzliche Einbruch des Ölpreises im Juli 2008 machte dem Land zu schaffen. In der Folge drosselten Venezuela und andere OPEC-Staaten ihre Produktion, um den Preisverfall zu stoppen. Seit Dezember erholt sich der Preis relativ kontinuierlich. Gestern erreichte der WTI-Ölpreis mit 58,50 Dollar ein neues 6-Monatshoch. Nach Ansicht von Händlern ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen.

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