14. Mai 2009 | Venezuela

Globovisión fälscht weiter

Oppositioneller TV-Sender gibt Äußerung des Vizeministers für Kommunikation zur Todesstrafe falsch wieder

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Caracas. Der oppositionelle Fernsehsender Globovisión sucht die offene Feldschlacht mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. Nachdem der Comandante dem privaten Kanal mit juristischen Schritten gedroht hatte, falls dieser weiter falsche Behauptungen in die Welt setzen würde, hat Globovisión jetzt nachgelegt. In dem Programm "Aló Ciudadano" (Hallo Bürger), einer Replik auf Chávez' Sendung "Aló Presidente", und auf seiner Webseite verbreitete der Sender die Nachricht: "Vizeminister des Kommunikations- und Informationsministeriums spricht von der 'Todesstrafe' für Medienbesitzer". Das war wissentlich verkürzt wiedergegeben.

Tatsächlich hatte Mauricio Rodríguez im Programm "Dando y dando" des staatlichen Fernsehens VTV zum Moderator wörtlich gesagt: "Ich garantiere dir, dass Globovisión und weitere Medien, die sich so benehmen in anderen Ländern - wie (Noam, IN) Chomsky in einem Interview sagte - zum Beispiel in den USA die Medienbesitzer mit der Todesstrafe belegt worden wären, wenn sie an einem Staatsstreich teilgenommen hätten".

Der bekannte US-Sprachwissenschaftler und kritische Geist, Noam Chomsky, hatte im Interview mit der Journalist Eva Golinger am 28. September 2007 erklärt:

"But the reason, which is not stated, is that if there had been anything like RCTV in the United States or England or Western Europe the owners and the managers would have been brought to trial and executed - In the United States executed, in Europe sent to prison permanently, right away, in 2002." Die vollständige Abschrift des Interviews findet sich hier .

Rodríguez wehrte sich in dem VTV-Programm "La Hojilla" (Die Rasierklinge) und verlas dort auch die spanische Übersetzung des Chomsky-Zitats. Zur Zeit steht er im Mittelpunkt der Medienkampagne von Globovisión. Diese hebt einen angeblich kubanischen Akzent von Rodríguez besonders hervor. Damit unterstellt sie ihm eine fehlende Verbundenheit zu Venezuela. Der Vizeminister erklärte, daß er 1970 als dreijähriger nach Chile kam, wo seine Eltern die Unidad Popular von Präsident Salvador Allende unterstützten. Im Verlauf des rechten Militärputsches wurde sein Vater verhaftet und schwer gefoltert. Der Familie gelang die Flucht nach Kuba, wo der junge Rodríguez weitere neun Jahre verbrachte.

Globovisión gehörte mit RCTV und anderen Privatsendern zu den Medien, die den Putsch vom 11. April 2002 gegen Chávez medial vorbereiteten, unterstützten und rechtfertigten. Trotzdem wurden weder ihre Eigentümer noch die verantwortlichen Journalisten zur Verantwortung gezogen. Lediglich RCTV wurde die Lizenz für die terrestrische Ausstrahlung seiner Sendungen 2007 nicht verlängert. 2014 könnte Globovisión dasselbe Schicksal ereilen.

Damit das nicht eintritt, ging Globovisión-Besitzer Guillermo Zuloaga am Mittwoch (13.5.2009) höchstpersönlich auf Sendung. Deshalb hat sein Sender ein halbstündiges Programm kreiert, mit dem die Bevölkerung gegen die Regierung Chávez in Stellung gebracht werden soll. Mit einem ähnlichen Projekt war RCTV gescheitert.

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