28. Mai 2009 | Venezuela

Chaos-Tage in Caracas

Vargas Llosa inszeniert politische Verfolgung. Ein geschlossener Sender berichtet live über den Jahrestag seiner Schließung. Demonstranten für Meinungsfreiheit verprügeln Journalisten

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Caracas. Seit Mittwoch finden in Venezuela Aktionstage der Opposition statt, die teilweise kuriose Züge annehmen. Den Auftakt machte am Dienstag der peruanische Schriftsteller und bekennende Liberale Mario Vargas Llosa. Vor seiner Anreise nach Caracas hatte Llosa behauptet, die venezolanische Regierung, die er als "populistisches und autoritäres Regime" bezeichnet, besteche demokratische Regierungen der Region. In der festen Erwartung, dass es Probleme bei seiner Einreise geben würde, hatte sich eine große Schar von Journalisten am internationalen Flughafen von Caracas versammelt. Allerdings erschien Llosa pünktlich zusammen mit anderen Passagieren in der Empfangshalle. Dort berichtete er den anwesenden Journalisten, er sei eine Stunde lang "gefangen gehalten worden". Die Details seiner "Gefangenschaft" klangen allerdings anders: Die Behörden hätten seinen Pass und sein Gepäck "sehr gründlich" kontrolliert und ihn darauf aufmerksam gemacht, dass Ausländern in Venezuela eine politische Betätigung verboten ist. Der venezolanische Innenminister erklärte, LLosa sei die normale Einwanderungsprozedur durchlaufen und wie jeder andere Ausländer ins Land gelassen worden. Mario Vargas Llosa nimmt an einer Veranstaltung des liberalen Zentrum für die Verbreitung wirtschaftlicher Kenntnisse für die Freiheit (Cedice) teil.

Das Cedice führt gegenwärtig eine Kampagne durch, um das Privateigentum in Venezuela zu verteidigen. Unter dem Slogan "Verteidige deinen Stolz ... Verteidige dein Eigentum!" beschäftigt sich die diesjährige Konferenz der Wirtschaftsliberalen mit Themen wie der "Neugründung kapitalistischer Werte" und der "Erwirtschaftung von Reichtum". Die Veranstalter empfehlen ihre Ansichten zwar auch zur Armutsbekämpfung - so heißt eins der heutigen Foren "Lektionen der Armen: Privateigentum und der Triumph der Unternehmergeistes". Man beugte aber mithilfe der Eintrittspreise der Gefahr vor, diese Thesen mit wirklich Armen diskutieren zu müssen. Die Teilnehmerkosten liegen zwischen 30 und 200 Euro. Aus Deutschland wird die Gruppierung durch die Friedrich-Naumann-Stiftung der FDP unterstützt.

Gestern fand außerdem eine Demonstration statt, die daran erinnerte, dass die venezolanische Regierung vor zwei Jahren die Sendefrequenz des privaten Fernsehsenders RCTV an einen öffentlichen Fernsehsender vergeben hatte. Etwa zweitausend Teilnehmer protestierten gegen die Einschränkung der unternehmerischen Freiheit, da der Sender ihrer Meinung nach geschlossen wurde. Es entbehrte nicht einer gewissen Ironie, dass der angeblich geschlossene Sender RCTV-International nicht nur ausführlich über die Proteste berichtete, sondern unter dem Titel "Zwei Jahr Schließung von RCTV" eine eigene Schwerpunktsendung produzierte. Dass einige der Demonstrationsteilnehmer die eigene Forderung nach "Meinungsfreiheit" nicht uneingeschränkt gelten lassen wollen, illustrierten Übergriffe auf Journalisten des staatlichen Senders VTV am Rande der Demonstration. Schon bei der Ankunft von Vargas Llosa war es zu einer Auseinandersetzungen zwischen Medienvertretern gekommen. Eine Journalistin des privaten Senders Globovisíon schlug auf Kollegen des staatlichen Fernsehens ein.


Foto: RCTV

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