26. Apr 2010 | Chile | Deutschland

Altnazi Paul Schäfer stirbt in Chile

Grabstein ohne Inschrift: Gründer der "Colonia Dignidad", Kinderschänder und Kollaborateur der Pinochet-Diktatur beerdigt

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Santiago de Chile. Der ehemalige SS-Mann und Gründer der Sektensiedlung "Colonia Dignidad", Paul Schäfer, ist am 24. April in einem Gefängniskrankenhaus in Santiago de Chile im Alter von 88 Jahren gestorben. Das berichtete die lokale Presse. Schäfer verbüßte eine mehr als dreißigjährige Haftstrafe. Er war unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, schwerer Folter und Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt worden. Schäfer wurde in kleinem Kreis beigesetzt; auf seinem Grab liegt eine Steinplatte ohne Inschrift.

Am Sonntagvormittag wurde der Leichnam zunächst in der Kapelle aufgebahrt, anschließend fuhr der Leichenwagen begleitet von einem PKW mit Schäfers Anwalt zum Friedhof. Einige Anwohner aus dem Umfeld der Kapelle bewarfen den Leichenwagen mit Erde.

Schäfer war nach dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland geflohen und gründete in Chile gemeinsam mit einigen deutschen Siedlern die "Colonia Dignidad", die sich nach außen als gemeinnützige Einrichtung für elternlose und vernachlässigte Jungen ausgab. Hinter den Kulissen herrschte Schäfer jedoch despotisch über die Bewohner der Siedlung, kollaborierte mit der Militärdiktatur von Augusto Pinochet und verging sich an Minderjährigen.

Schäfer tauchte 1997 unter, wurde aber im März 2005 in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires verhaftet und nach Chile ausgeliefert. Seitdem saß er im Gefängnis. Im Jahr 2006 wurde er wegen sexuellen Missbrauchs in mehr als 20 Fällen zu einer 20-jährige Haftstrafe verurteilt. Später kamen weitere Haftstrafen hinzu. Die "Colonia Dignidad" wurde nach Schäfers Verhaftung in "Bayerisches Dorf" umbenannt. Die heute etwa 150 Bewohner distanzieren sich von der früheren Bestimmung der Siedlung und insbesondere von der Person Schäfers.


Bildquelle: investigaciones.cl

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