23. Jan 2010 | Venezuela | Soziale Bewegungen

Venezuelas Öl-Arbeiter erhalten Tarifvertrag

Staatskonzern PDVSA und Gewerkschaftsverband FUTPV einigen sich. Abmachung im Elektrizitätssektor gelang bereits im Dezember

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Caracas. Der junge Gewerkschaftsverband FUTPV (Federación Unitaria de Trabajadores Petroleros de Venezuela) und der staatliche Erdölkonzern PDVSA haben am vergangenen Mittwochabend (Ortszeit) den lang ersehnten neuen Tarifvertrag für den Erdölsektor unterschrieben. Die Verhandlungen hatten sich über Monate verzögert, nachdem sich die Mitgliedsgewerkschaften von FUTPV lange nicht über die Wahlmodalitäten für einen demokratisch legitimierten Vorstand einigen konnten.

Mit dem Vertragsabschluss verständigte sich der Staat als Arbeitergeber mit den Gewerkschaften in einem weiteren strategischen Wirtschaftszweig Venezuelas, nachdem Ende 2009 bereits für den staatlichen Monopolisten im Elektrizitätssektor (CORPOELEC) nach langem Tauziehen ein Tarifvertrag unterschrieben werden konnte. Der mittlerweile geschasste damalige Elektrizitätsminister Angel Rodríguez hatte den Kompromiss dort kurz vor Weihnachten erzielt - wohl begünstigt durch seine Vergangenheit als Gewerkschaftsführer in dem Bereich. Der Präsident der Elektrizitätsarbeitergewerkschaft FETRAELEC, Ángel Navas, bezeichnete das Abkommen damals als "Sieg für die Arbeiter".

Auch die regierungsnahen PDVSA-Gewerkschafter, die den Tarifvertrag im Öl-Sektor aushandelten, können zufrieden sein: die Öl-Arbeiter erhalten eine 80-prozentige Lohnerhöhung in zwei Stufen, Gesundheitskosten werden zu 85 Prozent übernommen und sie erhalten bevorzugten Zugang zu öffentlichen Wohnungen.

Die Vereinbarung war von der regierungsnahen Mehrheitsfraktion der FUTPV ausgehandelt worden. Gemeinsam mit der so genannten Liste 9, die sowohl Regierungsanhänger wie Kritiker in ihren Reihen hat, blockierten sie die Teilnahme der "Unabhängigen Klassenkämpferischen Strömung" C-CURA an den Verhandlungen.

Die trotzkistische C-CURA hatte bei den Gewerkschaftswahlen im Oktober letzten Jahres über 25 Prozent erreicht. Doch auf Grund ihrer immer offeneren regierungsfeindlichen Haltung hatte die PDVSA-Führung Druck auf die gemäßigten Kräfte ausgeübt, C-CURA von den Verhandlungen auszuschließen. Sonst hätte man dort keine Chance auf eine Einigung gesehen, hieß es. Zudem werde man keinen Tarifvertrag mit "Feinden der Revolution" verhandeln. C-CURA hatte sich spätestens durch ihr Bündnis mit oppositionellen rechtsgerichteten Gewerkschaften ins Aus katapultiert.

Der letzte Tarifvertrag im Öl-Sektor war bereits im Januar 2009 ausgelaufen. Der Nachfolgekontrakt gilt nun rückwirkend ab dem 1. Oktober 2009. Außerdem bekommen die Arbeiter eine Kompensationszahlung für die Zeit ohne Tarifvertrag. Sowohl in der Erdölindustrie wie im Elektrizitätssektor gilt der neue Tarifvertrag für zwei Jahre.

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