27. Jan 2010 | Venezuela

Mindestens zwei Tote bei Protesten in Venezuela

Demonstration wegen Sanktionen gegen venezolanischen Privatsender RCTV endet in Chaos und tödlicher Gewalt

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Mérida, Venezuela. Zu Wochenbeginn haben in mehreren Städten Venezuelas zehntausende Menschen gegen die vorübergehende Abschaltung des Fernsehsenders RCTV protestiert. Während die Aktionen im Allgemeinen friedlich verliefen, endete der Protest in der Universitätsstadt Mérida in Straßenschlachten, in deren Folge vermutlich zwei Menschen getötet wurden. Am Dienstagmorgen übernahm die Nationalgarde die Verantwortung für die öffentliche Sicherheit in der Stadt.

Mehrere oppositionelle Studierendenverbände hatten am Montag zu Protesten gegen die vorübergehende Schließung des Fernsehsenders RCTV (Radio Caracas Televisión) aufgerufen. Noch bevor sich ein größerer Demonstrationszug formieren konnte, entzündeten Studierende nach Augenzeugenberichten Autoreifen und griffen die Polizei mit Steinen an. Die Ordnungskräfte erwiderten die Attacken mit Tränengas- und Gummigeschossen.

In der jüngeren Vergangenheit war es in der 200.000-Einwohner-Stadt mit ihrer renommierten Universität immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Studierendenverbänden und der Polizei gekommen. Während die meisten dieser Auseinandersetzungen jedoch auf die nähere Umgebung des Universitätsgeländes beschränkt blieben, endeten die Proteste diese Woche in einer bis dato unbekannten Gewalteskalation.

Nach Berichten von vor Ort schütteten aufgebrachte Anwohner aus den Fenstern Wasser und Essig auf die Konfliktparteien, um sie auseinander zu treiben. Dennoch wurden zahlreiche Autos angezündet. Auf der anderen Seite applaudierten Schaulustige den gewalttätigen Demonstranten mit Jubel- und Anfeuerungsrufen. Überall in der Stadt gingen Scheiben zu Bruch, es wurden Straßenbarrikaden errichtet. In den Vortagen hatten Anwohner bereits gegen jüngste Stromrationierungen demonstriert und auch dabei Autoreifen entzündet. Beide Protestbewegungen schlossen sich nun spontan zusammen. Studierende, die in Solidarität mit der Regierung Chávez ebenso auf die Straße gegangen waren, gerieten mit den regierungskritischen Demonstranten in Konflikt.

Am Dienstagmorgen zog die Nationalgarde in die Stadt, ein um die öffentliche Ordnung wieder herzustellen. Nach Angaben von Tageszeitung starben während der Auseinandersetzungen zwei Menschen. Ein 16-jähriger Schüler, Mitglied einer der Regierung nahe stehenden Gruppe, erlag bereits am Nachmittag seinen Schussverletzungen. Am späten Abend wurde ein 28-jähriger Medizinstudent, Mitglied der Oppositionspartei Un Nuevo Tiempo, bei Straßenschlachten rivalisierender Studierendengruppen erschossen. Über die genaue Zahl der Verletzten gab es bisher keine Angaben.

Der Gouverneur des Bundesstaates Mérida, Marcos Diaz Orellana, machte in einem Interview mit der Tageszeitung El Universal die rechtsradikale Studentengruppierung "Bewegung des 13. Aprils" für die Morde verantwortlich.


Bildquelle: globovision.com (Screenshot, Übernahme von VTV)

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