21. Mär 2010 | Venezuela | Medien

Freies Internet für Venezuela

Regierung des südamerikanischen Landes weitet öffentliche Internetzugänge aus. Opposition redet Kontrollabsicht herbei

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Caracas. In Venezuela wurden am gestrigen Sonntag 24 neue "Infozentren" eröffnet, die eine kostenfreie Nutzung von Computern und Internet ermöglichen. Die Infrastruktur wird durch die Stiftung Infocentro betreut und durch die Regierung unterstützt. In den vergangenen zehn Jahren wurden 668 solcher Zentren aufgebaut, die meisten von ihnen in abgelegenen Regionen. Neben Internet-Zugängen bieten die Betreiber Computerkurse an. Im Mittelpunkt der Initiative steht vor allem die Vermittlung von technischen Fähigkeiten an die Bevölkerungsgruppen, die über keine eigenen Computer und Internetzugänge verfügen.

Die venezolanische Regierung verfolgt seit Jahren ein Programm zur "technologischen Alphabetisierung". Neben dem Programm der Infozentren verfolgt das Land ein Programm, das Laptops an Grundschulen bringt. Verwendet wird dafür nicht-proprietäre Software wie etwa die eigene Linux-Distribution GNU Canaima. Zur Entwicklung freier Software hat Venezuela inzwischen mehrere eigene Hochschulen aufgebaut. In den vergangenen 10 Jahren stieg die Zahl der Internet-Zugänge in Venezuela von 820.000 im Jahr 2000 auf 7,5 Millionen im vergangenen Jahr 2009.

Bei der Einweihung der neuen "Infozentren" dementierte Präsident Hugo Chávez erneut, dass die venezolanische Regierung Pläne verfolge, den freien Austausch von Inhalten im Internet zu kontrollieren oder zu regulieren. In der vergangenen Woche hatten internationale Medien über angebliche Absichten zur Kontrolle des Internets berichtet. Anlass war eine Auseinandersetzung um das venezolanische Internet-Portal "Noticiero Digital". In dessen Open-Posting-Bereich hatten anonyme Personen mehrmals fälschlich den Tod von einzelnen Ministern aus dem Kabinett-Chávez verkündet. Aus diesem Anlass hatte Chávez die Unterstützer des bolivarischen Prozesses aufgerufen, sich stärker im Internet zu engagieren und daran erinnert, dass auch das Internet kein rechtsfreier Raum sei.

Seit Monaten behaupten Vertreter der venezolanischen Opposition, private Medienunternehmen und Organisationen wie "Reporter ohne Grenzen", die venezolanische Regierung plane, das Internet insgesamt oder einzelne Dienste wie Twitter und Facebook einzuschränken. Nach Ansicht von Manuel Villalba, Präsident der Kommission Wissenschaft und Technologie in der Nationalversammlung, handelt es sich dabei um Stimmungsmache: "Sie sagen, die Regierung plane zu kontrollieren, was im Internet erscheint. Dem ist nicht so. Das haben sie sich ausgedacht, um Stimmung zu machen. Das war nie geplant." Die ersten derartigen Berichte erschienen bereits im Januar in der kolumbianischen Zeitschrift Semana. Im Februar veröffentlichte der kolumbianische Popstar Juanes Beleidigungen gegen Hugo Chávez auf Twitter.


Foto: Prensa Presidential

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